Autogipfel: Kanzler hält an Strategie fest, Grüne drohen

Autogipfel: Kanzler hält an Strategie fest, Grüne drohen
ÖVP Kanzler Karl Nehammer setzt weiter auf Verbrennermotoren mit E-Fuels. Grünen-Funktionär sieht Regierung „schweren Zeiten entgegengehen“.

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) hält an seiner Auto-Strategie fest. Bei seiner „Rede zur Zukunft der Nation“ im März kündigte er an, dass er das Aus der Verbrennermotoren nicht so einfach hinnehmen werde. Am Mittwoch lud er dann Experten und Wirtschaftsvertreter zu einem Autogipfel ins Bundeskanzleramt, um eine E-Fuel-Strategie zu besprechen. Diese synthetischen Kraftstoffe sollen ermöglichen, dass auch nach 2035 neben den E-Fahrzeugen Autos mit Verbrennermotoren gebaut werden können.

Den Grünen dürften diese Aktionen schön langsam auf die Nerven gehen. Die Konter werden laufend härter. Der Tiroler Grüne Gebi Mair forderte die Kanzlerpartei nun sogar auf, zu einem „klima- und menschenfreundlichen Kurs“ zurückzufinden. Ansonsten werde die Koalition „schweren Zeiten entgegengehen“, sagte er gegenüber der dpa.

Zukunft ohne Verbote

Karl Nehammer ließ sich von all der Kritik – Aktivisten der „Letzten Generation“ hatten sogar die Fassade des Kanzleramtes mit einer ölig-schwarzen Flüssigkeit besprüht – nicht beeindrucken. Am Ende des Gipfels erklärte er: „Die Zukunft des Automobils liegt im Fortschritt, in der Innovation und in der Forschung, nicht in Verboten.“ Es gehe nicht um ein „E-Fuels oder Elektromobilität“ es sei ein „sowohl als auch“.

In Österreich hängen mittelbar und unmittelbar mehr als 300.000 Arbeitsplätze von der Autoindustrie ab, sagte Nehammer. Die Wertschöpfung betrage rund 27 Milliarden Euro, Österreich sei eines der führenden Länder bei der Anmeldung von Patenten in diesem Bereich.

Auch Wirtschaftsminister Martin Kocher sprach sich für Technologieoffenheit aus: Es gehe jetzt auch darum, Brüssel davon zu überzeugen, Dinge förderbar zu machen, die man für die Energiewende braucht.

Für das Thema E-Fuels musste der Kanzler zuletzt sehr viel Kritik einstecken – nicht nur von der Opposition, sondern auch von Experten wie den Scientists for Future. Sie verwiesen auf eine katastrophale Energiebilanz der E-Fuels, die mit Hilfe von Strom erzeugt werden.

Der Konter des Kanzlers: „Gerade der Autogipfel soll zeigen, dass wir uns mit der Wissenschaft intensiv auseinandersetzen.“ Man dürfe keine Technologie ausschließen. In zehn Jahren etwa könne der Einsatz von E-Fuels schon sehr viel effizienter sein als jetzt.

Unterstützt wurde er von Bernhard Wiesinger vom ÖAMTC: „Das Bekenntnis zur Technologieoffenheit ist ein wichtiges Signal, denn einerseits ist E-Mobilität unbestritten ein wichtiger Baustein dieser Zukunft. Andererseits wird es mit E-Autos allein nicht zu schaffen sein, die Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Wir bräuchten bis 2030 bereits 2,5 Millionen E-Autos auf Österreichs Straßen, und nichts deutet derzeit darauf hin, dass solche Ziele erreichbar sind.“

Robert Schlögl, Chemiker und Präsident der deutschen Humboldt-Stiftung, sagte, man solle von dem „Vorurteil“ abrücken, dass die Erzeugung von E-Fuels ineffizient sei.

Kanzlerbesuch bei AVL

„In Europa muss es der absolute Fokus bleiben, batterieelektrische Pkw voranzutreiben“, hatte in diesem Zusammenhang Jürgen Rechberger im Fachmagazin Auto & Wirtschaft erklärt.

Rechberger ist Manager des Grazer Technologiekonzerns AVL List GmbH, des weltweit größten Unternehmens für die Entwicklung von Antriebssystemen mit Verbrennungsmotoren, die mit E-Fuels betrieben werden.

Die AVL List GmbH ist ein weiterer Punkt des Kanzlers in dieser „Mobilitätswoche“. Dort wird er mit Geschäftsführer Helmut List zusammentreffen, um über die Entwicklungen in der Automobilindustrie zu sprechen.

Bereits am Dienstag hatte Karl Nehammer das BMW-Werk im oberösterreichischen Steyr besucht, in dem derzeit eine Produktion für E-Motoren errichtet wird.

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