Politik | Inland
27.08.2017

Aussöhnung mit Israel: Strache schreibt ein Buch

Der FPÖ-Chef arbeitet sein Leben auf, darunter die Beziehung zu Eichmann-Fänger Rafi Eitan.

Eigentlich wollte er es zeitgerecht für den Wahlkampf vollenden. Doch es wird nicht rechtzeitig fertig werden.

Auch ins kommende Weihnachtsgeschäft wird es das Buch nicht schaffen. Wahlkampfstress und mögliche Regierungsverhandlungen blockieren den Terminkalender.

Aber es wird. Das ist sicher. FPÖ-Chef Heinz Christian Strache schreibt an seiner Autobiografie. "Kapitel für Kapitel arbeite ich mein Leben auf", verrät er dem KURIER.

Es dürfte tatsächlich ein äußerst spannendes politisches Buch werden. Denn eines der Kapitel ist der Aussöhnung mit Israel gewidmet. Jörg Haider hat sie mehrfach versucht, aber gelungen ist sie erst Strache.

Strache erzählt in dem Buch, wie er zum entschiedenen Gegner von Antisemitismus und zum Verteidiger des "christlich-jüdisch-aramäischen Erbes" wurde. Seine Inspiration diesbezüglich war kein Geringerer als Rafi Eitan, der Fänger von Adolf Eichmann. Eichmann, gebürtiger Deutscher, wuchs in Linz auf und war Cheforganisator der Judendeportationen in die Massentötungslager des Dritten Reichs. Nach dem Krieg floh er nach Argentinien, wo er von Simon Wiesenthal aufgespürt und in der Folge vom israelischen Geheimdienst Mossad entführt und nach Israel gebracht wurde. Der Leiter der Mossad-Operation war der heute 91-jährige Rafi Eitan.

In Israel wurde Eichmann der Prozess gemacht, den Hannah Arendt in ihrem Report über die "Banalität des Bösen" für die Ewigkeit festhielt. 1962 wurde Eichmann hingerichtet.

Dass der Entführer des Holocaust-Cheforganisators einen Obmann jener Partei, die ein Alt-Nazi-Sammelbecken in Österreich war, auf die richtige Spur setzt, ist eine bemerkenswerte Volte der Geschichte.

Über Vermittlung des FPÖ-Politikers David Lazar traf sich Strache mit Eitan vor einigen Jahren zum ersten Mal in Israel. "Ich war von Rafi Eitans positiver, bejahender Einstellung beeindruckt, dass er trotz dieser schrecklichen Vorgeschichte für Aussöhnung ist", sagt Strache.

„Er ist ein Mensch, der kraftvoll über den Dingen steht und damit wieder Einheit schafft. Solch eine Persönlichkeit zu treffen, kann niemanden ungerührt lassen.“

Ein Kapitel wird sich mit früheren Intrigen innerhalb der FPÖ befassen. Strache ist 2005, nach der Abspaltung des BZÖ durch Jörg Haider, FPÖ-Chef geworden.

Einer derer, die Strache damals auf den FPÖ-Schild hoben, war Ewald Stadler, ein scharfzüngiger, rechtskatholischer früherer FPÖ-Klubobmann.

Doch Stadler wandte sich bald wieder gegen Strache, denn er wollte, so vermutet jedenfalls Strache, selbst FPÖ-Chef werden. Dazu benutzte Stadler belastende Fotos, die Strache bei "Wehrsportübungen" zeigten.

Über die Erpressungsversuche Stadlers gegen Strache kam es zu Gerichts-Prozessen. Das Anekdotische an der Affäre ist allerdings bisher nicht bekannt.

Die Anekdote geht so: Stadler habe den damaligen SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer angerufen und ihm gesagt: "Der Strache hat für die Zeit nach der nächsten Wahl bereits einen Koalitionsdeal mit der ÖVP gemacht. Wenn Ihr das verhindern und ihn abschießen wollt, habe ich Material gegen ihn."

Gusenbauer pfiff jedoch auf Stadlers Intrige, rief Strache an und informierte ihn.

Stadler rief auch den Chef der ÖVP-Akademie, Werner Fasslabend, an und sagte: "Der Strache hat für die Zeit nach der nächsten Wahl bereits einen Koalitionsdeal mit der SPÖ gemacht. Wenn Ihr das verhindern und ihn abschießen wollt, habe ich Material gegen ihn."

Fasslabend pfiff ebenfalls auf Stadlers Intrige, rief Strache an und informierte ihn. Das klingt nach einer österreichischen Operetten-Intrige.

Die aktuellen Trends in der Meinungsforschung sieben Wochen vor der Nationalratswahl: Laut Gfk (1000 Befragte) hält die ÖVP weiter bei 32 Prozent, die SPÖ verliert leicht auf 24 Prozent, die FPÖ steigt leicht auf 23 Prozent. Die drei Kleinparteien pendeln um die sechs Prozent, wobei Peter Pilz derzeit leichte Vorteile vor Grünen und Neos hat.