Politik | Inland
01.02.2018

Auslands-Pressestimmen zum Thema "Germania"

Die geplante Auflösung der Burschenschaft "Germania" ist auch in deutschen Zeitungen ein Thema.

FAZ (Frankfurt)

"Dass Texte aus dem Liederbuch der Wiener Burschenschaft Germania "widerlich, abartig und jenseitig" sind, teilt mittlerweile auch die Verbindung selbst mit. Die Frage ist, was daraus folgt. Es dürfte ungeachtet der strengen österreichischen Gesetze für eine "Wiederbetätigung" nicht ganz einfach sein, gleich die gesamte Burschenschaft aufzulösen. Kein Zweifel aber auch: Gegen Personen und Vereinigungen, die sich volksverhetzend betätigen, muss der Staat entschieden vorgehen. Bundeskanzler Kurz ist in einer misslichen Lage. Die FPÖ, deren niederösterreichischer Spitzenkandidat stellvertretender Vorsitzender der Germania war, ist keine Splitterpartei, sondern starker Koalitionspartner der Kurzschen Bewegung. Und die Freiheitlichen stehen den Burschenschaften nahe. Damit steht auch der Kanzler ihnen nicht fern, mag er noch so sehr beteuern, er könne mit dem Begriff "deutsch-national" nichts anfangen. Dieses Etikett steht freilich nicht (gleich) für Antisemitismus - das sollten alle Vereinigungen und Politiker klarstellen, die sich "Ehre, Freiheit, Vaterland" aufs Banner schreiben."

Süddeutsche Zeitung ( München)

"Wie sehr diese Vorfälle jedoch auch die FPÖ in ihrer neuen Rolle als Regierungspartei unter Zugzwang setzen, zeigt die Ankündigung Straches, eine "Historikerkommission" einzusetzen, die sich mit der FPÖ, den Burschenschaften und ihrer Vergangenheit auseinandersetzen soll. Details dazu sind noch nicht bekannt, außer dass die Verantwortung dafür beim FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer liegen soll, der sich wohl als Ehrenmitglied der Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld dafür qualifiziert hat. Ob diese Kommission ernst zu nehmen ist, wird davon abhängen, ob auch unabhängige Historiker berufen werden. Klar ist nur, dass es vieles aufzuarbeiten gibt."

Frankfurter Rundschau ( Frankfurt)

"Mittlerweile will die österreichische Bundesregierung die Burschenschaft auflösen lassen. Immerhin. Aber das kann nur der erste Schritt sein. Auf diese Weise wird die FPÖ-Spitze den Vorwurf nicht loswerden, dass sie nur nach außen beteuert, Lehren aus der Vergangenheit gezogen zu haben. So wird aber auch Kanzler Sebastian Kurz den Vorwurf nicht abschütteln können, sich die falschen Partner in seine Regierung geholt zu haben.