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Politik Inland
05/25/2020

Sind die Schulen zu streng? Faßmann bremst Lehrer ein

"Augenmaß und Hausverstand": Wegen teils zu strikter Handhabung der Hygieneregeln mahnt der Bildungsminister.

von Johanna Hager, Bernhard Gaul

Maske und Babyelefantenabstand während des Unterrichts? Pause im Klassenzimmer statt Schulhof? Toilettegang bei unverschlossener Tür aus Hygienegründen, um Türklinken zu meiden?

Das alles soll sich laut KURIER-Informationen an den ersten Schultagen zugetragen haben. Weil Direktoren wie Lehrer den Erlass des Bildungsministeriums teils ungenau gelesen, übergenau genommen oder missverstanden haben - das sei dahingestellt. De facto sind in dem 25-seitigen "Hygienehandbuch zu COVID-19" Empfehlungen enthalten, ist beispielsweise keine Rede von einem Schulhofverbot. Nachgerade im Gegenteil.

Auf Seite 9 heißt es gar: "Wenn die Möglichkeit besteht, wird empfohlen, die Pausen im Freien zu verbringen. Die Dichte im Gangraum und die Durchmischung mit Schüler/innen anderer Klassen sollen jedenfalls reduziert werden.“ Dass einige Pädagogen das Handbuch mehr als Axiom denn Anleitung begreifen, weiß Bildungsminister Heinz Faßmann. Er weist im KURIER-Gespräch darauf hin, dass es um "Empfehlungen geht, um Hausverstand und eine Umsetzung mit Augenmaß, die eine kindgerechte Normalität an den Schulen ermöglicht“.

Dezidiert Sorge bereitet Lehrern jene zunehmende Zahl an Eltern, die einen Mund-Nasen-Schutz bei ihren Kindern partout verweigern. Ja, sogar von teils gefälschten ärztlichen Attesten, die vorgelegt werden, um eine Ausnahme zu erwirken, ist im Ministerium die Rede. Bezüglich Mund-Nasen-Schutz (MNS) ist im Hygienehandbuch festgehalten, dass dieser bei "Anreise“ und "Eintreffen“, am Gang und zwischen den Unterrichtseinheiten zu tragen ist. Konkret heißt es: "Wenn sich Personen durch das Schulgebäude bewegen, müssen sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Im gewohnten Aufenthaltsraum (z. B. Klasse) gilt bei der Wahrung des notwendigen Sicherheitsabstandes keine Verpflichtung dazu.“ Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass "die Schutzmaske eventuell zu einem vermehrten Berühren des Gesichtes des Personals durch die Kinder/Jugendlichen motivieren“ könnte und deshalb aus "fachlicher Perspektive reflektiert werden“ möge.

Sprich: Hausverstand einschalten.

Oberstes Gebot ist – wie überall – Abstand halten. In der Schule gilt es zudem, sich die Hände zu waschen und einander nicht zu berühren sowie beispielsweise Gegenstände wie Stifte tunlichst nicht zu tauschen.

"Masken sind nur dann wichtig und sinnvoll, wenn die Kinder zu nahe beinander stehen“, sagt Sibylle Hamann, Bildungssprecherin der Grünen, zum KURIER. "Wir müssen weg von den detaillierten Vorschriften hin zu einem Mehr an Vertrauen in die Verantwortlichen, in die Direktoren, die Lehrer und Schüler."

PK GRÜNE : HAMANN

Dass Turnen bis zu den Ferien als Fach ausfällt, ist für Hamann "von manchen als Signal vollkommen falsch verstanden worden. Damit war niemals gemeint, dass sich Kinder nicht bewegen dürfen. Im Gegenteil: Kinder müssen sich bewegen. Wer im Freien den Ball mit dem Fuß kickt, mit genügend Abstand Yoga macht oder Kniebeugen, der gefährdet damit niemanden."

Wie viele Eltern ihre Kinder gefährdet sehen, sie weiter im Homeschooling belassen, das wird erst Mitte der Woche bekannt. Fakt ist, dass es Eltern bis zu den Sommerferien freisteht, ihre Kinder zu Hause zu lassen.

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