Aschermittwoch: Kickl über "Augustine Wöginger" und Kerns "Potenzprobleme"

Beim traditionellen Treffen der FPÖ in der Jahn-Turnhalle in Ried greift Parteichef Kickl die Regierung frontal an. Auch unter der Gürtellinie.
"POLITISCHER ASCHERMITTWOCH" DER FPÖ: KICKL

Nur einen Monat nach dem Neujahrstreffen in Klagenfurt ist es die zweite blaue Großveranstaltung in diesem Jahr. Wie alljährlich seit 1992 ist auch heuer die Jahn-Turnhalle in Ried (OÖ) Schauplatz des „politischen Aschermittwoch“ der FPÖ. Seit den Zeiten von Jörg Haider berühmt-berüchtigt für die verbalen Rundumschläge der jeweiligen blauen Parteichefs. 

Und wie jedes Jahr ist der Andrang groß. Schon zwei Stunden vor dem Einlass stehen FPÖ-Fans trotz der kühlen Temperaturen vor der Halle Schlange, um einen möglichst guten Sitzplatz zu ergattern. Letztlich sollten es 2.000 Gäste sein.

FPÖ-Fans beim Politischen Aschermittwoch der FPÖ in Ried im Innkreis (OÖ)

Im Gegensatz zu anderen blauen Events ist das Publikum vorwiegend regional, statt der John-Otti-Band spielt die Blasmusik. Spitzen der Bundespartei sind rar gesät, dafür finden sich einige AfD-Funktionäre unter den Ehrengästen. Die Wartezeit bis zum Auftritt von Parteichef Herbert Kickl wird mit Heringschmaus und Rieder Bier verkürzt. 

Heringschmaus Aschermittwoch FPÖ

Vor ihm ist aber Manfred Haimbuchner, Chef der FPÖ Oberösterreich, an der Reihe: Mit Lästereien etwa über das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands  (eine „linke NGO aus Wien“) über die „NATO-Beate“ – und natürlich über die EU „mit ihrem idiotischen Green Deal“ und den „woken Geschlechterkarneval“.

"POLITISCHER ASCHERMITTWOCH" DER FPÖ: HAIMBUCHNER

Manfred Haimbuchner

Lob gibt es von ihm nur für Ungarns Premier Viktor Orbán und seine Politik gegenüber Russland. Sonderlich zu fesseln vermag er sein Publikum aber nicht. 

Kickls Rundumschlag

Umso größer die Begeisterung, als Kickl die Bühne betritt: „Das große Ziel in Oberösterreich ist der Landeshauptmann“, gibt er seinem Vorredner die Zielrichtung für die Wahl im kommenden Jahr vor. Die Menge jubelt. „Dem Stelzer schlottern schon die Knie.“ Er sei auch dafür verantwortlich, dass mit Christian Stocker schon wieder ein nicht-gewählter Kanzler die Regierung führe. „Deshalb müssen wir bei der nächsten Wahl alles klar machen, dann gibt es keine Diskussionen.“ Dann habe das Leiden der Bevölkerung ein Ende.

SPÖ-Chef Andreas Babler wiederum sei ein „Zornbinkerl, jede Straßenbahn-Garnitur hat mehr Anhänger als er“. Christian Kern, die "letzte Hoffnung der SPÖ aus der Mottenkiste hat letzte Woche wieder seinen Schwanz eingezogen. Das ist sein altes Potenzproblem".

Mit Genugtuung verweist er darauf, dass es die neue FPÖ-Hymne in die Ö3-Charts geschafft habe. „Kickl liegt jetzt nicht nur vor Stocker und Babler, sondern auch vor Bruce Springsteen und Lady Gaga.“ Jetzt müssten die Parteien nachziehen, mit „Immer rückwärts SPÖ“ oder die ÖVP etwa mit „Spiel mir das Lied vom Tod“. Über Stocker kreise schon der Aasgeier Sebastian, der „hin und wieder einen Batzen fallen lässt“.

Ähnlich deftig geht es weiter: Sollte ÖVP-Klubobmann August Wöginger in seiner Postenschacher-Affäre verurteilt werden, würde er wohl einfach per Geschlechtsumwandlung als Augustine Wöginger weitermachen.

Dass Wöginger zur Zielscheibe wird, ist kein Zufall. Er hatte zuletzt über die FPÖ-Fans abgelästert. Diese seien "ohne Zähne und mit zerrissenen Hosen". 

In den vergangenen zwölf Monaten, seit Start der Dreierkoalition, sei „gar nichts besser geworden“, die Maßnahmen gegen die Teuerung seien ein Witz. „Bei der Wirtschaft gibt es keinen Aufschwung, das sind Fake News“, ist Kickl überzeugt.

"Natürlich Remigration"

Dann wird Kickl pathetischer: „Lasst uns Österreich wieder zur Insel der Seligen machen.“ Und: Die Dritte Republik bedeute eine Redemokratisierung, keine Abschaffung der Demokratie. 

Seinen Fans verspricht er: „Keine neuen Steuern, sondern das Gegenteil.“ Mit dem „eisernen Besen“ wolle er durch die Bürokratie fahren. Dem Green Deal will er ein „Staatsbegräbnis“ verpassen. Den politischen Islam will er mit einem eigenen Verbotsgesetz „an der Wurzel packen“, was im Publikum besonders gut ankommt.

„Und natürlich bauen wir die Festung Österreich. Das ist ja gar keine Frage. Und natürlich brauchen wir Remigration für alle, die nicht hierher gehören. Dafür werden wir einen Flieger brauchen, eine Herbert One.“

Zur Wehrpflicht-Debatte sagt er: Natürlich sei die FPÖ für ein starkes Bundesheer, aber Bedingung für eine Verlängerung des Wehrdienstes sei die 100-prozentige Beibehaltung der Neutralität.

"Phönix-Plan"

An Ende betont Kickl: Jetzt würden die Österreicher glasklar sehen, dass es die Einheitspartei wirklich gebe, der es nur um Machterhalt gehe. Umso besser sei die Ausgangsposition der FPÖ bei der nächsten Wahl. „Es fehlt nicht mehr viel. Dann zünden wir unseren Phönix-Plan für Österreich.“

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