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Politik Inland
08/03/2020

Arztwerden schwer gemacht: Nur jeder Neunte darf studieren

Soft Skills sind beim Medizin-Aufnahmetest am 14. August kaum gefragt.

von Elisabeth Hofer, Christian Böhmer

Naturwissenschaftliche Kenntnisse, logisches Denken, sozial-emotionale Kompetenz und Textverständnis – all das wird am 14. August von rund 16.000 jungen Menschen verlangt. Jeder von ihnen hat 110 Euro bezahlt, um an diesem Tag, der über ihre berufliche Zukunft entscheidet, dabei zu sein. Die Rede ist vom Aufnahmetest für das Medizinstudium.

Österreichweit gibt es dafür 1.740 Studienplätze – nur jeder neunte Kandidat wird also auch aufgenommen. Wer, darüber entscheiden zwei Faktoren: Testergebnis und Quote.

Ein Fehler, findet Andreas Huss, Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Laut ihm sollen sogenannte Soft Skills, also persönliche und soziale Kompetenzen, für einen Studienplatz eine viel größere Rolle spielen. Denn: „Der Hausarzt ist die Königsdisziplin der Medizin.“ Das bilde sich bei den Eignungstests aber derzeit nicht ab, sagt Huss. Tatsächlich macht der Teil zu „sozial-emotionale Kompetenz“ nur zehn Prozent des Tests aus.

Warum ist das so? Die Universitäten seien Systeme, die sich selbst erhalten. „Das ist ihnen auch gar nicht vorzuwerfen“, sagt Huss. Allerdings führe es nun einmal dazu, dass bei den Aufnahmetests insbesondere Fähigkeiten gefragt seien, die Kandidaten später für den Unibetrieb oder für die Wissenschaft prädestinieren.

Punkte für Engagement

Huss plädiert deshalb dafür, dass beispielsweise ein Engagement bei Rotkreuz-Organisationen oder im Zivildienst berücksichtigt wird. „Es sollte auch Punkte für Erfahrung in so wichtigen Bereichen wie Empathie und Kommunikation mit Patienten geben“, sagt er.

Dass ein einschlägiger Freiwilligendienst bei der Studienbewerbung Vorteile bringt, ist etwa in Deutschland bereits der Fall. Zwar gehen dort 20 Prozent der Plätze an Bewerber mit der besten Abiturnote sowie weitere 20 Prozent an diejenigen, die schon am längsten warten. Die restlichen 60 Prozent der Bewerber können aber durch eine fachnahe Ausbildung oder eben freiwilliges Engagement einige Listenplätze nach vorne springen.

Doch zurück nach Österreich, wo nicht nur für das Medizinstudium Zugangsbeschränkungen existieren. Für einige weitere Studienrichtungen, darunter Architektur, Biologie, Informatik, Wirtschaft, Pharmazie sowie Publizistik, Jus und Fremdsprachen, sind bundesweit Zugangsregeln vorgesehen.

Wenn es an einem Universitätsstandort darüber hinaus einen zu hohen Andrang auf eine bestimmte Studienrichtung gibt, können die Unis den Zugang auch individuell regeln. Ein Beispiel hiefür ist das Chemiestudium an der Universität Wien, wo es andernfalls mehr Studienanfänger als Laborplätze gäbe, wie eine Sprecherin erklärt.

Coronabedingt laufen die Aufnahmetests in den diversen Fachrichtungen heuer übrigens unter besonderen Sicherheitsrichtlinien oder gänzlich digital ab. Die WU hat in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gar ganz auf einen Test verzichtet und die Kandidaten stattdessen einen Essay schreiben lassen.

In der Humanmedizin gehen 75 Prozent der Studienplätze an Studenten mit österreichischem Maturazeugnis, 20 Prozent an Kandidaten aus der EU sowie fünf Prozent an Bewerber aus Drittstaaten. In Wien haben sich 740 Kandidaten angemeldet, in Innsbruck 400, in Graz 360 und in Linz 240. Coronabedingt werden die Bewerber heuer aber auf insgesamt sechs Teststandorte aufgeteilt, dazu kommen Salzburg und Wels.

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