Anschober: Keine Pflege-Reform über Köpfe der Betroffenen hinweg

Anschober: Keine Pflege-Reform über Köpfe der Betroffenen hinweg
Von der Task-Force Pflege sollen notwendige Neuerungen erarbeitet werden, die dann Anfang 2021 in die konkreten Umsetzungen gehen sollen.

Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) hat anlässlich der jüngst abgeschlossenen Pflegebefragung betont, dass es keine Reform über die Köpfe der Betroffenen hinweg geben werde. Die mehr als 3.000 Rückmeldungen werden jetzt ausgewertet, die Ergebnisse sollen in den Reformprozess einfließen, erklärte er am Freitag in einer Aussendung.

Wie bereits bekannt, will Anschober nun die durch die Coronakrise unterbrochene Dialogtour durch die Bundesländer fortsetzen. Diese habe das Ziel, ein Gesamtbild der Ist-Situation zu schaffen und Ideen für die Zukunft zu sammeln, wie eine professionelle, menschenwürdige Pflege in Österreich gelingen könne.

Im Anschluss daran sollen von der Task-Force Pflege notwendige Neuerungen erarbeitet werden, die dann Anfang 2021 in die konkreten Umsetzungen gehen sollen - in einer Zielsteuerungskommission, in der Bund, Länder und Gemeinden erstmals gemeinsam den Bedarf erheben, gemeinsam planen und gemeinsam umsetzen, wie Anschober betonte.

Gegenüber dem Ö1-Morgenjournal ging Anschober auch auf die jüngst präsentierte Wifo-Studie ein, die Nachholbedarf bei der Koordination zwischen Bund, Ländern und Gemeinden ortet und zu regionalen Pflegeinformationsstellen rät. "Es wird so etwas in diese Richtung geben", meinte der Minister. Wie genau das organisiert wird, sei noch offen. Fix vorgenommen habe er sich die Verankerung sogenannter Community Nurses, denn das gehe genau in diese Richtung.

Die grüne Senioren- und Pflegesprecherin Bedrana Ribo unterstützte das Anliegen. "Ich freue mich sehr über diese Studie, denn diese unterstreicht, was ich bereits seit langem fordere. Es war immer klar, dass Pflege viele Zuständige hat. Daher braucht es eine gute Zusammenarbeit und einen guten Austausch aller Ebenen", erklärte sie.

Widerspruch kam in dieser Frage hingegen von der Volkshilfe. "Das Letzte, was die Pflege und Betreuung in Österreich braucht, ist noch eine übergeordnete Instanz, die Ressourcen von der dort wegverlagert, wo wir sie wirklich brauchen: in der Arbeit mit unseren KlientInnen", so Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger. Alles, was Geld aus der konkreten Pflegebeziehung abziehe, müsse doppelt und dreifach hinterfragt werden.

SPÖ-Gesundheitsssprecher Philip Kucher kritisierte, dass die Betroffenen weiter auf nachhaltige Lösungsvorschläge warten müssten. Seitens der schwarz-grünen Bundesregierung gebe es immer noch keine geeigneten Lösungen, um den drohenden Pflegenotstand zu verhindern, selbst die Finanzierung der Pflege bleibe bisher unklar. "Wenn es nicht genug Pflegekräfte gibt, nützen auch die angekündigten 'community nurses' wenig", meinte er.

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