Nurse helping senior woman on wheelchair during home visit

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08/20/2020

Gastro-Personal soll für die Pflege gewonnen werden

Zusätzliche Pflegekräfte aus dem Ausland bleiben wegen der Pandemie aus. Job-Offensive im Inland gefordert

von Anita Staudacher

Die prekäre Personalsituation bei der stationären, mobilen und 24-Stunden-Betreuung in Österreich könnte sich weiter zuspitzen. Der Grund: Die Corona-Pandemie erschwert die Anwerbung von Pflegekräften aus dem Ausland. So benötigen 24-Stunden-Betreuer/innen aus Rumänien, Bulgarien oder Kroatien negative Covid-19-Tests oder müssen nach ihrer Ankunft in Quarantäne, was sich viele nicht leisten können oder wollen. Zudem fallen bis auf Weiteres viele Flugverbindungen in wichtige Herkunftsländer außerhalb der EU aus. Geplante Anwerbe-Aktionen von Personal aus Südostasien oder Marokko liegen auf Eis.

Mobilisierung im Inland

Um den Pflegenotstand zu lindern, muss daher verstärkt Personal im Inland mobilisiert werden. Hier bieten sich Branchen an, die von der Corona-Krise am härtesten und längsten betroffen sind, etwa der Tourismus. Österreichs größter privater Pflegeheimbetreiber SeneCura startete kürzlich eine erste Anwerbe-Aktion in der Gastronomie. Mit dem Slogan: „Pflege als Chance. Starten Sie einen beruflichen Neubeginn“ werden Neu- und Quereinsteiger aus der Gastronomie oder anderen Branchen angesprochen.

„Auf unsere Kampagne gab es schon mehr als 200 Rückmeldungen“, berichtet SeneCura-Chef Markus Schwarz. Der Pflege-Multi (5.000 Beschäftigte) bietet eigene Aus- und Weiterbildungen an. Schwarz hofft ebenso wie andere Einrichtungen auch auf eine Umschulungsoffensive durch das AMS. Allein im Tourismus gibt es derzeit 55.000 Arbeitslose, im Herbst wird eine weitere Zunahme erwartet.

Pflegelehre kommt

Auch die Jugend soll mobilisiert werden. Das Wirtschaftsministerium gab zuletzt grünes Licht für die Pflegelehre nach Schweizer Vorbild ab 2021. Diese soll die Lücke zwischen Pflichtschule und höherwertiger diplomierter Berufsausbildung schließen und ab 17 die praktische Ausbildung in Heimen ermöglichen. Einrichtungen wie SeneCura oder das Hilfswerk wollen Lehrlinge aufnehmen. Auch Erwachsenen soll die Pflegelehre offenstehen, so sie nur einen Pflichtschulabschluss haben.

„Das große Massenprogramm wird das nicht werden“, bremst Wifo-Ökonomin Ulrike Famira-Mühlberger trotz hoher Jugendarbeitslosigkeit die Erwartungen. Sie plädiert stattdessen für mehr Fachkräftestipendien, die schon die Ausbildung oder Umschulung finanzieren und so von Berufsein- und Umsteigern eher angenommen würden. Wifo-Chef Christoph Badelt ist überzeugt, dass es ohne Verbesserung der Arbeitsbedingungen nicht gelingen wird, mehr Österreicher/innen für Pflegeberufe zu gewinnen: „Da geht es nicht nur ums Geld, sondern auch darum, es physisch und psychisch zu schaffen.“ Badelt verweist auf die hohe Drop-Out-Rate in der Branche. Attraktivere, flexiblere Arbeitsmöglichkeiten braucht es auch in der 24-h-Betreuung, um mehr Österreicher/innen dafür zu gewinnen. Wie genau die Job-Offensive aussehen wird, soll eine eigene Pflege-Taskforce im Gesundheitsministerium beraten.

Bedarfsplanung fehlt

Um zu wissen, wie viel Personal benötigt wird, braucht es eine zentrale Bedarfsplanung. Bund, Länder und Gemeinden sind diesbezüglich aber schlecht koordiniert und wissen zum Teil gar nicht, welcher Pflegebedarf in den nächsten Jahren auf sie zukommt, geht aus einer Wifo-Umfrage unter 649 Gemeinden hervor. Das Wifo empfiehlt eine regionale Pflege-Infostelle als zentrale Anlaufstelle für Betroffene in allen Fragen rund um Pflege und Altern. Damit ließe sich auch der Bedarf besser prognostizieren.

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