Politik Inland
11/23/2020

Anschober: "Müssen verhindern, nach Feiertagen in dritte Welle zu stolpern"

Wie entwickeln sich die Zahlen, was hat der Lockdown gebracht? Gesundheitsminister Anschober sieht positive Anzeichen. Eine Impfstrategie soll bald vorgestellt werden.

Wie haben die Maßnahmen und Lockdown bisher gewirkt? Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), Komplexitätsforscher Peter Klimek und Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich (GÖG), gaben an Tag 21 des Teil-Lockdowns und Tag sieben des harten Lockdowns erste Antworten. "Die Zahlen sind nach wie vor insgesamt extrem hoch", sagte Anschober.

Die Maßnahmen zeigen dennoch "schrittweise" positive Effekte: "Wir merken in ersten Ansätzen, dass es langsam zu wirken beginnt", so der Gesundheitsminister. "Jetzt hängt alles von den nächsten zwei Wochen ab."

3.145 Corona-Tests seien von Sonntag auf Montag positiv gewesen, auch deshalb identifiziert Anschober erste positive Wirkungen des Lockdowns. Dabei habe es über 6.000 Genesungen gegeben, mittlerweile hat Österreich 2.459 Covid-Todesfälle verzeichnet. 685 Menschen liegen mit dem Coronavirus auf der Intensivstation.

Ziel: Unter 0,9 beim Reproduktionsfaktor

In Ausblick auf den 7. Dezember betonte Anschober: "Wir müssen bis zum Ende des harten Lockdowns noch einen weiten Weg hinunter gehen." Erst Mitte Dezember würde man mit den "Wirkungseffekten danach" sehen, wie sich der Lockdown tatsächlich ausgewirkt hat. Deshalb habe man sich auch nicht auf eine konkrete Zahl bei den Neuinfektionen festgelegt, die dann erreicht sein muss.

Aber für die Tage nach dem Lockdown gelte: "Das zentrale Hauptziel ist es, den Reproduktionsfaktor hinunterzubringen, deutlich unter 0,9", so Anschober, "wenn es geht, unter 0,8". Verhindert werden müsse, nach den Feiertagen "mit vollem Tempo" in die dritte Welle "hineinzustolpern". Geschützt, gesichert und kontrolliert soll das Öffnen stattfinden.

Bei den anstehenden Massentests bestehe das Risiko, falsch positive und falsch negative Testergebnisse zu haben, sagte der Gesundheitsminister. "Niemand, der ein negatives Testergebnis hat, wird einen Anlass haben, weniger vorsichtig zu sein." Bei den positiven Ergebnissen überlege man, wie man "ohne großen Aufwand" mit Zweittestungen nachjustieren könne. Als Vorbild gilt hier Südtirol, wo sehr stark auf Strukturen vor Ort und in den Ländern zurückgegriffen wurde.

Impfungen ab Anfang Jänner?

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hatte angekündigt, dass Deutschland bereits im Dezember mit Impfungen beginnen könne. Anschober bestätigte, dass man möglicherweise Anfang Jänner auch in Österreich starten kann. "Wir haben Strukturen in der Startphase, wo wir das möglicherweise auch vorverlegen könnte" - also ebenfalls in den Dezember.

Es seien Impfdosen in ausreichendem Ausmaß, zumindest für alle Einwohner, bestellt, so Anschober. "Wir werden laut meiner Prognose ein paar hunderttausend Dosen im Laufe des Jänners haben." Mit den Impfungen könne man das Risiko bis zum Sommer "schrittweise" reduzieren, zu Ende sei die Pandemie damit aber noch nicht. Notfalls möchte der Gesundheitsminister bei den Impfungen auch noch etwas zuwarten, auch wenn er nicht glaub, dass beim Marktzulassungsprozess noch etwas schiefgeht: "Sicherheit ist da ganz, ganz entscheidend."

Die Impfstrategie soll "in Kürze" im Detail vorgestellt werden. Die SPÖ kritisierte via Aussendung, dass Deutschland im Gegensatz zu Österreich längst eine Impfstrategie habe und Anschober in dieser Frage "weiterhin planlos" agiere.

Restriktionen bei kleineren Treffen "wirksamste Maßnahme"

Komplexitätsforscher Klimek präsentierte einen "internationalen Ländervergleich" zur Wirksamkeit von Maßnahmen "Das Hauptresultat, das ich hier gleich vorwegschicken möchte: So etwas, wie die Wirksamkeit einer Maßnahme zu evaluieren, gibt es nicht", sagte Klimek. Was wurde im Rahmen der Studie also erhoben?

Man habe sich "Maßnahmenbündel" angesehen. Im März und April habe man eine Datenbank zu verschiedenen Maßnahmen in unterschiedlichen Staaten gebaut, um jetzt Rückschlüsse ziehen zu können, was eher wirkt und was eher nicht wirkt.

Die wirksamsten Maßnahmen seien Restriktionen gewesen, die auf das Zusammentreffen kleinerer Gruppen von Menschen abzielen, so Klimek: also Gastronomie, der Arbeitsplatz oder etwa Veranstaltungen.

Klimek: "Je früher, desto besser"

Dahinter kämen Grenzschließungen oder etwa Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Nicht effektiv seien Maßnahmen gewesen, die auf den öffentlichen Nahverkehr abzielen, sagte Klimek. Das sei womöglich darauf zurückzuführen, dass man in der U-Bahn kaum direkten Kontakt mit anderen Menschen habe. Insgesamt gelte für sämtliche Maßnahmen: "Je früher, desto gezielter, desto besser."

Zum Streitpunkt Schulschließungen sagte Klimek, dass man die negativen Nebeneffekte von Maßnahmen nicht immer direkt erheben könne. Schulschließungen seien insgesamt aber eines der effektiveren Mittel.

Ostermann: Weniger Intensivpatienten als prognostiziert

Statistiker Ostermann analysierte die Prognosen zum Fallgeschehen, auf deren Basis das Ministerium arbeitet. 3.863 Menschen befinden sich aktuell auf den Normalstationen der Spitäler, prognostiziert gewesen seien 3.900. Auf den Intensivstationen sei man von 729 Personen in der Prognose ausgegangen - derzeit seien es 685. "Durchaus erfreulich", konstatierte Ostermann. Für Mitte dieser Woche prognostizierte er ungefähr 5.000 Neuinfektionen pro Tag.

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