Politik | Inland
03.04.2013

Anonyme Informanten denunzieren selten

Vorbild der Wiener „Whistleblower“- Homepage bekommt bis zu 30 Meldungen im Monat.

Diese Menschen sind in der Regel besonnene Leute. Das sind keine Denunzianten.“

Wenn Wolfgang Lindner von „diesen Menschen“ spricht, dann meint er jene anonymen Hinweisgeber, die sich täglich an seine Behörde wenden.

Der Kriminalist ist Leiter des Dezernats 37, der Zentralstelle für Korruption im Landeskriminalamt Niedersachsen. Und was die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) seit Kurzem betreibt – eine Homepage für anonyme Tippgeber – das gibt es in Niedersachsen in exakt derselben Form bereits seit fast zehn Jahren.

170 Tipps

Wie berichtet, hat die WKStA eine Internet-Plattform für „Whistleblower“ (Informanten) eingerichtet, die eine anonyme Kommunikation zwischen der Justiz und den Hinweisgebern ermöglicht.

In den ersten beiden Wochen landeten 170 Hinweise bei den Wiener Korruptionsjägern, die überwiegende Zahl hatte Substanz.

Experte Lindner wundert das nicht: „Das entspricht auch unseren Erfahrungen“, sagt er im KURIER-Gespräch. Warum dem so ist, erklärt er so: „Menschen, die die Seite anspricht, sind gebildet und Computer-affin. Sie haben in ihrem Umfeld oder in ihrer Firma Korruption beobachtet, und die wollen sie nicht mehr akzeptieren.“

In Niedersachsen landen mittlerweile konstant zwischen 20 und 30 Meldungen im Monat bei der Informanten-Homepage; immerhin zehn Prozent der Tipps führen zu Verurteilungen.

Wie weiß man, dass es ein Informant wirklich ernst meint? Dass er nicht blufft und andere nur verleumdet?

„Das erkennt man am Dialog“, sagt Lindner. Antworte jemand ausweichend bis gar nicht, dann wisse man als erfahrener Ermittler schnell, woran man sei. Lindner glaubt, dass klassischen Denunzianten diese Art der Kommunikation langfristig zu mühsam ist. „Die gehen lieber zur Post und stecken ein anonymes Schreiben in den Briefkasten. Das ist unkomplizierter als ständig einer Behörde zu antworten.“