© KURIER/Jeff Mangione

Lebensbilanz
09/10/2015

Androsch: Flüchtlinge nach Deutschland durchreichen kein Grund für Heiligsprechung

Der Ex-Politiker legt seine Biografie vor und geht mit der Asylpolitik hart ins Gericht.

Hannes Androsch blickt nicht im Zorn zurück. Vielmehr sei seine Biografie "Niemals aufgeben" fast mit einer Prise Altersmilde gewürzt, wie Biograf Peter Pelinka bei der Präsentation am Donnerstag sagte. Auf die Gegenwart und in die Zukunft dagegen schaut der 77-jährige Ausnahmepolitiker und Unternehmer Androsch unwirsch und fand deutliche Worte für den Umgang Österreichs mit Flüchtlingen.

"Wenn wir bestenfalls ein paar Tausend an die Deutschen durchreichen, ist das noch lange kein Grund, im Vatikan heiliggesprochen zu werden", kritisierte Androsch vor Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Medien die jüngste Selbstinszenierung Österreichs als Menschlichkeitsweltmeister. "Aber es ist wenigstens irgendwas." Nur: "Traiskirchen ist deswegen immer noch nicht gelöst", sprach Androsch im Zusammenhang mit der Quartiersuche und dem überfüllten Lager wörtlich von einem "Affentheater".

Der erreichte Wohlstand habe den Österreichern nicht gutgetan, er habe vielmehr "Bequemlichkeit, Trägheit, Mutlosigkeit, Hartherzigkeit, Besorgnis, dass irgendwer irgendetwas wegnehmen könnte" gebracht. Und solche "Ängste" würden auch noch "populistische Unterfütterung" erhalten.

Lieber Ausblick als Rückschau

Aus solchen Gründen habe er sich auch dazu entschlossen, seine "Lebensbilanz" vorzulegen, obwohl er lange Zeit "keinen Bock" darauf gehabt hatte. Denn viel wichtiger als die Rückschau sei ihm der "Ausblick", wie der Untertitel vollständig heißt. Im Schlusskapitel hat er deshalb "Empfehlungen" an die Jugend formuliert. Es sei ihm darum gegangen, "eine Perspektive zu öffnen, das Land und seine jungen Menschen zukunftsfähig zu machen", so der maßgebliche Proponent des Bildungsvolksbegehren.

Pelinka freute sich, es sei gelungen, zum einen die beeindruckende "dreifache Karriere" Androschs zu schildern - mit allen Höhen und Tiefen. Zugleich habe er sich bemüht, auch "den Menschen Hannes Androsch plastischer erscheinen" zu lassen. Was nicht immer einfach war, wie er durchblicken ließ: "Reflexionen über Gefühle gelten gemeinhin nicht gerade als Stärke Androschs."

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