Politik | Inland 26.01.2018

Mölzer zu NS-Lied: "Habe diese Strophe auch gehört"

Andreas Mölzer hat das Lied „nicht gesungen, nur gehört.“ © Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

Der ehemalige freiheitliche Abgeordnete kennt das umstrittene Lied – er plädiert für "Hygiene im eigenen Haus".

„Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million.“

Ist diese Liedzeile, gefunden in einem Liederbuch der Wiener Neustädter Burschenschaft Germania, ein Einzelfall, ein obskurer Rest aus lange vergangener Zeit?

Nicht nur Experten bezweifeln das. Der ehemalige freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer hat nun im Ö1 Morgenjournal gesagt, das Lied selbst zu kennen: "Diese Strophe ist mir auch untergekommen", sagt er; und zwar in seiner Zeit in der Pennälerverbindung Austria Knittelfeld. Er habe sie allerdings "nicht gesungen, nur gehört", sagte er. Für Mölzer, der betont, das Lied sei eigentlich "ein Spottlied auf die NS-Volksgemeinschaft, kein Loblied" gewesen, ist "diese groteske Strophe einfach in keiner Weise zu entschuldigen oder zu rechtfertigen". Andererseits werde das studentische Liedgut häufig falsch interpretiert, und "das ist eine andere Sache".

"Verständlicher Reflex"

Der Liedtext sorgt bekanntlich seit Tagen für Aufregung. Die Staatsanwaltschaft hat in der Affäre Ermittlungen wegen des Verdachts auf Wiederbetätigung aufgenommen; Niederösterreichs FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer seine Germania-Mitgliedschaft ruhend gestellt. Nichtsdestotrotz hagelt es Rücktrittsaufforderungen gegen ihn.

Dass er sich nach dem Auffliegen der Affäre den Slogan „Jetzt erst recht“ benutzt hat, um ins Wahlkampffinale zu starten – am Sonntag wird ja in Niederösterreich gewählt -, dafür hat Mölzer allerdings Verständnis. Das sei „ein verständlicher Reflex“.

"Jüngere Generation kennt Lied nicht"

Dennoch plädiert Mölzer, der seine Spitzenkandidatur für das EU-Parlament 2014 wegen seines "Negerkonglomerat"-Sagers zurücklegte, für "Hygiene im eigenen Haus": "Diese Strophe zeigt, dass es in der Nachkriegszeit einen Restbestand an Antisemitismus gegeben hat in den akademischen Verbindungen", so der freiheitliche Publizist. "Wo es solche Restbestände gibt, gehören sie ausgetilgt." Dass es sich darum um ein flächendeckendes Problem handle, glaubt er aber nicht: "Die jüngere Generation kennt diese Lieder überhaupt nicht mehr, und das ist auch gut so."

( kurier.at , ep ) Erstellt am 26.01.2018