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Politik | Inland
05/24/2019

Analyse: Wie Strache das Ibiza-Video umdeutet

In einer Videobotschaft gibt sich der Ex-Vizekanzler kämpferisch und sieht sich als Opfer eines Angriffs auf die Regierung.

Wer dachte, dass die Ibiza-Affäre das politische Ende von Heinz-Christian Strache bedeutet, könnte sich möglicherweise geirrt haben. Der erste Schock beim jahrelangen blauen Frontmann hat sich offensichtlich gelegt. Eine Woche nach Publikwerden des Videos gibt er sich kämpferisch - in einer 5 Minuten dauernden Videobotschaft auf Facebook.

Dabei bleibt Strache dem Erzählstrang seiner Rücktrittsrede treu: Er wurde Opfer einer Falle und die Aufnahmen sind illegal. Spannend wird es dort, wo die Erzählung abweicht: Aus der „b‘soffnen G’schichte“, „lockeren Zunge“ und machomäßigen Prahlerei, wie er es in seiner Rücktrittsrede bezeichnete, werden aus dem Kontext gerissene Gedankenspiele, die „weder verwerflich noch illegal“ und „keinem Politiker fremd“ sind. „Nicht mehr als ein Hirngespinst“. Und: „Die Gedanken sind frei.“

"Eine gewisse Mitschuld"

"Die Veröffentlichung der Bruchstücke eines rechtswidrig und geheim erstellten Videomitschnitts unter Mitwirkung von Lockvögeln hat den maximal denkbaren Schaden angerichtet. Hieran trage natürlich auch ich eine gewisse Mitschuld. Denn ich war es, der in die Falle noch Unbekannter getappt und damit Akteur einer inszenierten Gesprächssituation wurde."

"vollständiger Kontext nicht dargestellt"

"Das filmische Dokument spricht aber nur augenscheinlich für sich. Denn es ist offenbar, dass die veröffentlichten sieben Minuten eines siebenstündigen Videomitschnitts Äußerungen wiedergeben, deren vollständiger Kontext sowie insbesondere deren Entstehung in der Gesprächssituation nicht dargestellt wird."

"Die Gedanken sind frei"

"Keinem Politiker sind Gedankenspiele fremd, in denen er über Mittel und Wege nachdenkt, die politischen Ziele seiner Partei zu verwirklichen, Medienpopularität zu steigern und Verbündete in der Wirtschaft zu gewinnen. Kein Politiker kann das glaubhaft bestreiten. Ich tue es nicht. Die Gedanken sind frei und auch die Artikulation solcher Gedankenspiele ist frei und weder verwerflich, noch illegal."

Keine Drogen- oder Sexszenen

"Die Behauptung, es gäbe Szenen, die meine Person beim Konsum von Drogen und sexuellen Handlungen zeigen, ist absurd und schlicht diskreditierend."

"Angriff gegen die Regierung dieses Landes"

"Die illegale Erstellung des Videos vor bereits zwei Jahren und dessen nunmehr erfolgter Einsatz vor der Europawahl ist ein gezielter Angriff gegen die Regierung dieses Landes, deren Souveränität über ihre Handlungsfähigkeit und den Rechtsstaat insgesamt. Wer nur mir hätte schaden wollen, hätte das Video auch bereits vor zwei Jahren veröffentlichen können."

Anzeige gegen drei Personen

"Ich habe daher bei der Staatsanwaltschaft Wien Strafanzeige gegen zumindest drei als mögliche Mittäter identifizierte Personen eingereicht. Alles Weitere zu klären obliegt nun den Ermittlungsbehörden. Die mögliche Mitwirkung weiterer Personen ist wahrscheinlich. Gegenwärtig gibt es diesbezüglich von mir veranlasste Untersuchungen."

 

Bauernopfer in einer großen Staatsaffäre

Spannend ist, wie sich die Motive für das Video in Straches Reden gewandelt hat: In seiner Rücktrittsrede sprach er davon, dass man mit der Veröffentlichung des Videos ihn und Johann Gudenus „gezielt beschädigen“ wollte. In seinem neuesten Statement sieht er darin nun einen „gezielten Angriff“ gegen die Bundesregierung, die Souveränität Österreichs und den Rechtsstaat an sich mit dem Ziel einer Destabilisierung der Regierung. Damit lenkt Strache den Fokus vom Inhalt auf die Hintergründe des Videos – und stilisiert sich zum kleinen Bauernopfer in einer großen Staatsaffäre.

Strache kündigt an, „alle meine Energie“ auf die Aufklärung des Falles zu legen. So hat er Anzeige gegen drei vermeintlich beteiligte Personen eingebracht. Tatsächlich arbeitet Strache an seiner politischen Reinwaschung, seinem Comeback. Nicht zuletzt geht es um sein politisches Lebenswerk. Ob ihm das gelingt, wird sich zeigen. Die Unterstützung seiner Anhänger – das machen die Tausenden Likes unter jedem seiner zuletzt wieder häufiger gewordenen Facebook-Einträge deutlich – scheint ungebrochen.

 

Die wichtigsten Aussagen des Strache-Videos