© Kurier/Juerg Christandl

BP-Wahl
05/23/2016

Van der Bellens Premiere: "Bewegte Stunden"

Van der Bellens erste Ansprache im Kreis seiner Anhänger.

von Karin Leitner

Bürger und Sympathisanten stehen vor dem Wiener Palais Schönburg. Sie warten auf das designierte Staatsoberhaupt. Um 18 Uhr taucht Alexander Van der Bellen auf, begleitet von seinem Wahlkampfmanager Lothar Lockl – und das ist neu für ihn – von Personenschützern. Dutzende Kamera- und Presseleute aus dem In- und Ausland warten im Garten hinter dem historischen Gebäude auf ihn.

Es ist sein erster öffentlicher Auftritt nach dem Wahlkartenkrimi. Mit der Österreich- und der Europafahne im Rücken und nach kurzem Mikrofontest beginnt der künftige Bundespräsident zu sprechen. Zur Begrüßung der Presseleute von Anderswo gibt es: "A warm welcome."

"Politik nicht egal"

Van der Bellen spricht von "bewegten Stunden", die Österreich hinter sich habe und von "großer Verantwortung", die nun nicht nur er, sondern auch sein Ex-Konkurrent Norbert Hofer trage: "Ich denke, wir werden respektvoll mit dem Ergebnis umgehen." Viel sei von Gräben, die aufgerissen worden seien, die Rede gewesen: "Ich möchte das nicht dramatisieren." Er sieht darin auch Positives: "Viele Menschen haben miteinander geredet, auch gestritten. Das ist ein gutes Zeichen, ein Zeichen, dass ihnen Politik nicht egal ist, dass sie aktiv mitwirken wollen." Die Aufmerksamkeit solle nicht nur auf die Polarisierung, sondern auch auf die Politisierung gerichtet werden.

Seine Lehren aus dem Wahlkampf: Die Politik sollte sich nicht länger mit sich selbst beschäftigen, sondern "mit den realen Ängsten der Menschen". Als Präsident wolle der 72-Jährige verbinden. Aus seiner Kindheit im Kaunertal, Tirol, habe er gelernt: "Man kann sehr unterschiedlich sein, aber trotzdem respektvoll miteinander umgehen." In sechs Jahren sollen viele Österreicher sagen können: "Ja, mir geht es besser, meine Kinder haben eine gute Zukunft."

Türöffner im Ausland

Sein Amtsverständnis skizziert Van der Bellen einmal mehr so: Er wolle mit den Rechten und Pflichten eines Bundespräsidenten behutsam umgehen und Türöffner für die Wirtschaft im Ausland sein – als solcher habe hat sich schon sein Vorgänger Heinz Fischer verstanden. Van der Bellen beteuert, überparteilich sein zu wollen. "Ich stelle meine Mitgliedschaft bei den Grünen mit dem heutigen Tag ruhend. Ich will auch das Vertrauen der Hofer-Wähler gewinnen."

Van der Bellens Fazit zum knappen Stimmenabstand zwischen ihm und dem FPÖ-Kandidaten: "Man kann den Gleichstand auch so sehen: es sind zwei Hälften, die Österreich ausmachen. Die eine Hälfte ist so wichtig wie die andere. Gemeinsam ergeben sie dieses schöne Österreich."

Nach zehn Minuten ist sein Debut in der neuen Rolle beendet. Van der Bellen wird vor dem Palais Schönburg so verabschiedet, wie er willkommen geheißen worden ist: Mit Applaus und Jubel seiner Anhänger.

Lesen Sie die Ereignisse des spannenden Tages im Liveticker nach.

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