Ärztekammerpräsident: "Im Moment laufen wir Gefahr, dass es zu Triagen kommt"

CORONA: PK INITIATIVE "ÖSTERREICH IMPFT": SZEKERES
Dann würden Patienten mit besseren Überlebenschancen bevorzugt. Astra-Geimpfte sollen nach vier, Pfizer-Geimpfte nach fünf bis sechs Monaten zum dritten Stich.

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres befürwortet die Maßnahmen, die die Regierung mit Montag setzen will: "Ein Lockdown für Menschen, die keine Impfung haben, macht Sinn, denn diese verbreiten das Virus in erster Linie." Man brauche aber "sicher zusätzlich Kontaktbeschräungen". Das Homeoffice solle forciert werden, das sei "eine gute Maßnahme".

Was die Intensivstationen betrifft, ist Szekeres besorgt: "Wie es im Moment ausschaut, laufen wir Gefahr, dass es zu Triagen kommt." Dann würden jene Personen bevorzugt behandelt, die die besseren Überlebenschancen haben. "Diese Situation wollen wir alle nicht, und hoffen, dass es nicht dazu kommt."

Drei Mal wöchentlich PCR-Tests für alle einzuführen, hält Szekeres für nicht umsetzbar, das gebe die Test-Kapazität nicht her.

Neues zum dritten Stich

Zum dritten Stich sagt Szekeres: Der Astra-Impfstoff lasse bereits nach vier Monaten nach, Pfizer und Moderna nach fünf bis sechs Monaten. Bei diesen Impfstoffen könnte eine zu frühe dritte Impfung dazu führen, dass dies zu zu wenig Antikörperbildung führe. Daher sollten die Menschen sich rasch nach Ablauf dieser Fristen den dritten Impfstich zu holen. Nach dem dritten Stich sollte man bis zu zwei Wochen einkalkulieren, damit sich der Immunschutz aufbaut.

Szekeres rechnet mit einer offiziellen Zulassung vom Impfstoffen für Kinder durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA "in den kommenden Tagen".

Impfpflicht würde helfen

Szekeres spricht sich für eine genrelle Impfpflicht aus. Die geplante Impfpflicht im Gesundheitssektor werde auch für alle Ärzte gelten. Hausärzte ohne Impfung sollen dann nicht mehr ordinieren dürfen.

Szekeres glaubt, dass in Italien und Spanien die Impfraten deswegen höher sind, weil dort die Spitäler in der Pandemie überlastet waren, was bei uns bisher ausgeblieben ist. Szekeres hofft, dass es in Österreich jetzt nicht auch zu Bildern wie in den vergangenen Monaten in Spanien und Italien kommen wird.

Indes gibt es erste Alarmrufe wegen der bevorstehenden Impfpflicht im Gesundheitssektror. Der Zentralbetriebsrats der Vorarlberger Landesspitäler sagt, es würden "hunderte Mitarbeiter" ausfallen, wenn die Impfpflicht eingeführt wird. Das könne man sich nicht leisten.

Verantwortung der Politik

Szekeres kritisiert die FPÖ für die Impfmythen, die sie verbreitet. "Manche Leute glauben leider demm Herrn Kickl mehr als dem Hausarzt", sagt Szekeres.

Die Aussagen von Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Virologen wollten "nur alle in ein Zimmersperren", nennt Szekeres "nicht richtig". Die Wissenschaft berate die Politik, mache Vorschläge auf wissenschaftlicher Basis, aber die Entscheidungen müssten jedoch die Politiker fällen und dafür die Verantwortung tragen.

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