Politik | Inland
04.07.2018

12-Stunden-Tag: Wohin mit den Kindern?

Nur jeder zehnte Kindergarten hat länger als zwölf Stunden geöffnet. ÖVP-Landesrätin kritisiert türkise Kürzungspläne.

Zuerst die gute Nachricht: Die Zahl der Kinderbetreuungsplätze hat im Vorjahr einen neuen Höchststand erreicht. 93,4 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen sind mittlerweile in Kinderbetreuungsstätten untergebracht.

Nun die schlechte: Die Öffnungszeiten sind in ganz Österreich - bis auf Wien - schon jetzt recht knapp bemessen. Wenn der 12-Stunden-Tag kommt, wird es für viele Mamas und Papas wohl noch enger.

Laut Statistik Austria gibt es derzeit 9297 Kindertagesheime in Österreich. Nur 965 davon haben länger geöffnet als zwölf Stunden und wären damit - rechnet man den Arbeitsweg der Eltern mit ein - mit den Regierungsplänen kompatibel.

857 dieser 12-Stunden-Plus-Heime sind in Wien, insgesamt gibt es in der Bundeshauptstadt 2884 Einrichtungen. Weitere 312 haben elf bis zwölf Stunden geöffnet.

Ebenfalls einen guten Schnitt weist Salzburg auf: 41 von 557 Kindergärten haben dort länger als zwölf Stunden geöffnet. Im Burgenland gibt es keinen einzigen mit so langen Öffnungszeiten, nur in vier von 288 Einrichtungen wird eine Betreuung von elf bis zwölf Stunden angeboten. In Oberösterreich sind es nur sieben von 1242 Kindergärten.

Insgesamt sticht Wien aus der Statistik hervor: Dort haben fast neun von zehn Kindergärten (85,7 Prozent) bis nach 17 Uhr geöffnet. Rund 14 Prozent schließen zwischen 14 und 17 Uhr. In der Steiermark hingegen schließt fast die Hälfte schon am frühen Nachmittag, also vor 14 Uhr. In Oberösterreich und Niederösterreich haben nur 14,6 bzw. 17,2 Prozent nach 17 Uhr geöffnet.

ÖVP-Landesrätin: Die Leute "nicht dumm sterben lassen"

Den guten Schnitt bei der Betreuung von Drei- bis Fünfjährigen nimmt  Familienministerin Juliane Bogner-Strauß jetzt zum Anlass, den Ausbau für diese Altersstufe zu bremsen und sich mehr auf die unter Dreijährigen zu konzentrieren. "Speziell der Anstieg bei den unter Dreijährigen zeigt uns, dass genau hier weiterhin investiert werden muss. Im Zuge der 15a-Verhandlungen wird der Ausbau für die unter Dreijährigen daher auch im Fokus stehen", sagt Bogner-Strauß. Derzeit finden zwischen den beteiligten Ministerien die letzten Abstimmungen dazu statt, hieß es weiter. Man rechne mit einer "zeitnahen Einladung" zur nächsten Verhandlungsrunde an die Bundesländer.

Dort ist man aber offenbar alarmiert, weil das Budget für 2019 Kürzungen vorsieht. Die niederösterreichische schwarze Soziallandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister kritisiert ihre Parteikollegin Bogner-Strauß. Sie drängt auf eine rasche Einigung bei der 15a-Vereinbarung, seit Wochen warte man darauf.

Die Gemeinden bräuchten Planungssicherheit, sagt sie im Ö1-Morgenjournal. "Wenn ich jetzt noch höre, dass eine Kürzung angedacht ist bei den Drei- bis Sechsjährigen, dann stößt das auf Unverständnis. Die Gemeinden haben sich sehr ins Zeug geworfen, gemeinsam mit dem Land, um ausreichend Betreuungsplätze zu schaffen." Für die Deutschkompetenzen werde man Ressourcen brauchen, man dürfe die Beteiligten "nicht dumm sterben lassen".

Dazu komme die Arbeitszeitflexibilisierung. "Man hat immer mehr Wünsche, aber es ist von weniger Geld die Rede", stimmt Teschl-Hofmeister in den Chor jener mit ein, die befürchten, dass zwölf Stunden Arbeit für Eltern so nicht machbar sind. Kindergärten bräuchten nicht nur Geld für den Bau, sondern auch für den Betrieb - sprich: für längere Öffnungszeiten. 

Teschl-Hofmeister hat ihre oberösterreichische Amtskollegin Christine Haberlander mit im Boot, beide wollen mit ihrer Forderung nach mehr Unterstützung an den Bund herantreten.