© Reuters/JESSICA RINALDI

Politik
12/05/2011

EU-Diplomaten flüchten vor Ashton

EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verliert 60 hochrangige Beamte. Für Wirbel sorgen auch ein Umzug und hohe Mietkosten.

von Margaretha Kopeinig

Lady Ashton laufen die Diplomaten davon. "Schlechte Arbeitsbedingungen, Organisationschaos, Albtraum-Zustände und ein totales Durcheinander" geben 60 hochrangige EU-Beamten als Grund an, warum sie ihre Posten im Europäischen Auswärtigen Dienst verlassen haben. Verantwortlich dafür ist die britische Außenbeauftragte Catherine Ashton.
Etliche Beamte lassen sich versetzen, andere wandern in die Privatwirtschaft ab. Ein Gewerkschafter beschreibt die Situation gegenüber dem Internet-Dienst euobserver drastisch: "Wäre der Auswärtige Dienst ein privates Unternehmen, es wäre bankrott."
Besonders stört die Diplomaten das "tägliche Dahinwursteln", die "spontanen, sprunghaften Entscheidungen" und die "fehlende Glaubwürdigkeit von Ashton", sagt ein Botschafter.

Im Ashton-Büro spielt man die Sache herunter: "Alles Ungenauigkeiten und Übertreibung." Der Abgang von Personal bewege sich "im Rahmen".
Die Unzufriedenheit mit Ashton ist nicht neu. Schon im Dezember 2009, als sie eingesetzt wurde, hagelte es Kritik an ihrer Person. "Lady Who?" - Niemand kannte die ehemalige britische Labour-Politikerin und engste Vertraute des damaligen Premiers Tony Blair. Von klassischer Außenpolitik hatte die Kurzzeit-EU-Handelskommissarin wenig Ahnung. Jetzt kommen noch deutliche Management- und Führungsschwächen hinzu.

Schlagfertig

Bei den globalen Krisen bräuchte die EU eine schlagfertige Außenpolitik. Dass es die nicht gibt, dafür ist nicht allein Ashton verantwortlich. Die großen Länder wollen ihre Macht nicht teukeb. Aber Ashton wehrt sich nicht und wird von neuen Problemen überrollt.

Nach dem Abgang einflussreicher Beamter sorgt das mögliche neue Hauptquartier des Auswärtigen Dienstes im "Axa"- oder "Triangle"-Gebäude im Europa-Viertel Brüssels für Wirbel. Gegen die hohe Miete des Gebäudes (es gehört der belgischen Versicherungsgruppe Axa), die den europäischen Steuerzahlern jährlich zwölf Millionen Euro kosten sollte, regt sich Widerstand, vor allem aus London.

Nach dem Wirbel denkt Ashton anscheinend um. Das "Lex"-Gebäude um zehn Millionen Euro Miete pro Jahr, in dem jetzt der Juristische Dienst der EU untergebracht ist, könnte die künftige Heimstatt für Europas Diplomaten werden. "Der Umzug ist notwendig, weil derzeit die Mitarbeiter auf acht verschiedene Büros aufgeteilt sind", sagte eine Kommissionsmitarbeiterin dem KURIER. "Die künftige Miete wird dann billiger als die bisherigen Kosten."

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