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Politik
05/04/2012

EM-Boykott ist dumm

In die Ukraine reisen und das Regime verurteilen – das hilft der Demokratie.

von Margaretha Kopeinig

Wenige Wochen vor dem Anpfiff zur Fußball-EM wird der Ruf nach einem Boykott des sportlichen Großereignisses in der Ukraine immer lauter. Die gesamte EU-Kommission bleibt den Wettkämpfen fern, auch Österreichs Spitzenpolitiker fahren nicht hin, die deutsche Bundeskanzlerin droht mit Absage.

Fußball ist ein grenzüberschreitend beliebter Sport und hat einen hohen Symbolcharakter.

Gerade deswegen ist es politisch völlig falsch, an den Spielen in der Ukraine nicht teilzunehmen, um damit gegen die Haftbedingungen von Julia Timoschenko oder gegen das diktatorische Regime von Präsident Janukowitsch zu protestieren. Die Absagen treffen nur die Sportler, die Fans und vor allem die Bürger der Ukraine, die sich nach Wertschätzung, Freiheit und Demokratie sehnen. Die große Mehrheit hat nichts mit dem Fall Timoschenko oder der unsympathischen Regierung in Kiew zu tun.

Klüger wäre es, Europas Granden würden die Fußball-EM als Bühne vor Millionen Menschen nützen und die Missstände in der Ukraine, den Filz von Macht und Mafia aufzeigen. Sie sollten vor jedem Mikrofon und jeder Kamera Klartext reden, Rechtsstaatlichkeit und Transparenz fordern. Das würde Menschen helfen und korrupte Politiker ins Abseits stellen.

Es braucht keinen Boykott, es braucht Haltung, Respekt vor den Ukrainern und den Mut, die Dinge beim Namen zu nennen. Fußball zu instrumentalisieren, ist feig und respektlos den Sportlern und den Fans gegenüber. An ihnen liegt es nun, in der Ukraine Rückgrat zu beweisen.

Der Boykott der Politiker ist ein Foul an der Demokratie.

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