Innenminister Karl Nehammer bei Kranzniederlegung im Holocaust-Memorial Yad Vashem in Jerusalem

© APA - Austria Presse Agentur

Politik Ausland
11/12/2021

Zwischen NS-Gedenken und Cyber-Zukunft

Innenminister Karl Nehammer holt sich Know-how zu Cyber-Security aus Israel.

von Ida Metzger

Ein Besuch in Israel  fühlt sich fast wie eine Zeitreise an. Da die Konfrontation mit der bitteren NS-Geschichte Österreichs bei  einem  Besuch im imposanten Holocaust-Memorial  Yad Vashem. Dort die Visite  der Cyber-Hauptstadt Be’er Scheva. Mitten in der Negev-Wüste im Süden  findet  die Zukunft statt. Israels Ex-Premierminister Benjamin Netanjahu hat  in der Wüstenstadt ein Milliardenbusiness aufgebaut.

Mittlerweile gibt  es sieben Cyber-Unicorns, das sind Unternehmen, die einen Marktwert von mehr als einer Milliarde Euro haben. 41 Prozent der globalen Investments in Cybertechnologien passieren in Israel. Um innovative Cyber-Unternehmen anzulocken, übernimmt der Staat  vier Jahre lang 40 Prozent der Arbeitskosten. Nach diesem Zeitraum, so der Hintergedanke der Israelis, brechen die Unternehmen die Zelte nicht mehr ab, weil die ausgebildeten Cyber-Talente viel zu kostbar sind. Das Konzept ging voll auf.

Erste Cyber-Hotline

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) nützt die  Aufhebung  des Einreisestopps nach Israel, um  neue Perspektiven und Ideen  für die Cybersicherheit Österreichs zu gewinnen.  „Bei der zunehmenden Digitalisierung wurden bisher immer nur die Chancen gesehen, die Gefahren werden aber immer größer. Wir legen daher als Bundesregierung einen klaren Schwerpunkt besonders auf die digitale Krisen- und Daseinsvorsorge“, sagt Nehammer.

Wie das geht, wird in der Cyber-Hauptstadt in der Negev-Wüste eindrucksvoll demonstriert: So leistet sich das gelobte Land eine eigene Cyberdefence-Behörde, die weder dem Militär noch dem Innenministerium unterstellt ist, sondern dem Premierminister. Das sogenannte „National Cyber Directorate“ hat vor zwei Jahren als erste Einrichtung der Welt ein Hotline-Center eingerichtet, das von jedem Menschen aus der Bevölkerung kontaktiert werden kann, der glaubt, Opfer einer Cyberattacke zu sein. Einfach die Rufnummer „119“ anrufen, und schon meldet sich das Callcenter und hilft bei einer Cyberattacke weiter. Eine eigene Wirtschaftsabteilung der Cyberdefence-Behörde unterstützt die wichtigsten Banken, Versicherungen und Unternehmen des Landes bei der Abwehr von Cyber-Attacken.

100 Millionen Attacken

Für Österreich ist eine solche Hotline noch kein Thema, weil das ressourcenmäßig zu aufwendig wäre. Mittelfristig laufe es aber darauf hinaus, dass jeder Staat so eine Servicestelle haben werde, betonte Nehammer. Derzeit gibt es beim Bundeskriminalamt eine Meldestelle für Cyberkriminalität, die man nur schriftlich erreichen kann. Die israelische Hotline hat an einem starken Tag bis zu 2.000 Anrufe.

Weltweit werden täglich 70 bis 100 Millionen Angriffe registriert. Auch in Österreich explodieren die Zahlen. Von 2019 auf 2020 gab es 36.000 Fälle und damit eine Steigerung von  26 Prozent. In Österreich gibt es viele Akteure, bisher aber keine zentrale Stelle, die alles koordiniert. Am Dienstag wurde ein Cybercrime-Kompetenzcenter (C4) des Bundeskriminalamts eröffnet. Das C4 ist die Schnittstelle zu Europol, Interpol und den Behörden anderer Staaten.

Staatsbürgerschaften

Abends stand dann wieder der Wechsel in die Vergangenheit an. Nehammer verlieh in der österreichischen Botschaft Staatsbürgerschaften an Nachkommen von geflohenen NS-Opfern. Ein bewegender Moment für Nehammer. Insgesamt haben bis jetzt 2.500 Israelis  die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten.

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