Politik | Ausland
14.03.2017

Wut-Beauty macht Laden dicht

Ex-Miss Katia Wagner: "Die Politiker sollen sehen, was sie anrichten". 70 Jobs wackeln.

Sie war die schönste Österreicherin, ein international gefragtes Model.

Vor vier Jahren machte sich Katia Wagner (29) mit Schönheits-Salons in Wien ("The Beauty Bar") selbstständig. Im vergangenen Herbst begann dann der Dauer-Streit mit dem Arbeitsinspektorat.

Sie müsse für eine "Sichtverbindung ins Freie" (vulgo: Fenster) im Waxing-Bereich sorgen. Sie müsse den 20-Quadratmeter großen Mitarbeiterbereich weiter vergrößern, eine sündteure Belüftungsanlage einbauen, einen dritten Fluchtweg im Stammlokal am Schwedenplatz einrichten, die Decke hänge um vier Zentimeter zu tief und vieles andere mehr.

Sündteure Auflagen, die die Unternehmerin nicht gewillt ist, zu befolgen. Auflagen, die in einem gemieteten Geschäftslokal teils baulich auch gar nicht zu befolgen sind. Daraufhin folgten neue Auflagen, weitere Schikanen. Nun bekam die "Miss Earth 2013" obendrein eine Anzeige wegen Fristversäumnis seitens des Arbeitsinspektorats.

Ihren Frust lässt Katia Wagner vor allem auf Facebook aus ("Liebe Freunde, alles bleibt beim Alten. Kein Plan A, kein Plan B, einfach nur same shit"). Sie sehe die Arbeitsinspektoren schon öfter als ihre Eltern.

Wer eine gefinkelte PR-Kampagne der selbst ernannten Wut-Beauty vermutete, wird jetzt eines Besseren belehrt. Wagner schmeißt hin und sperrt noch im Mai ihre mittlerweile drei Innenstadt-Lokale zu. Bis zu 70 Mitarbeiterinnen kostet das vermutlich den Arbeitsplatz.

"Die Politiker sollen sehen, was sie anrichten"

Zum KURIER sagte die Unternehmerin: "Was ich erlebt habe, hat nichts mit einem Rechtsstaat zu tun, das hat auch nichts mit Arbeitnehmerschutz zu tun. Ich will keine Förderung, keinen Beschäftigungsbonus, ich will meinen Job machen dürfen. Die Konsequenz ist, dass jetzt 70 Leute ihren Job verlieren. Die Politiker sollen sehen, was sie anrichten."

Wagner will ab Mai "etwas Neues" machen, höchstwahrscheinlich aber wieder im Schönheits- und Kosmetikbereich. Oder aber sie heuert beim Arbeitsinspektorat an, sagt sie mit einem Zwinkern: "Meine Bewerbung bekommen sie, ich bin jetzt Expertin."

Mitterlehner im Beauty-Salon

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, der sich der Reform des Arbeitnehmerschutzes verschrieben hat, steht zum Ärger der SPÖ auf ihrer Seite. Nach einem Besuch im Beauty-Salon postete Mitterlehner jetzt seine Forderung an den zuständigen roten Sozialminister: "Schikanen einstellen, Betriebe arbeiten lassen! Arbeitnehmerschutz ist uns allen wichtig, muss aber praxistauglich gestaltet sein, daher möglichst rasch reformieren. Ich teile das Anliegen von Katia Wagner."

Doch Mitterlehner kann nicht wirklich helfen, der Gegenangriff folgt prompt. Vida-Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit spricht von einem "letztklassigen Facebook-Posting von Mitterlehner". Die Arbeitsinspektorate leisteten "wertvollste Arbeit" im Vermeiden von Arbeitsunfällen. Hebenstreit fragt Mitterlehner: "Überbringen Sie künftig die Todesmeldungen an die Familien?" In der ÖVP ist man ob solcher Aussagen wirklich empört. Die Wortmeldung sei letztklassig.