Die Pläne, Syriens Chemiewaffen nach Albanien zu verfrachten und hier zu entsorgen, sorgen zunehmend für Unmut

© APA/ARMANDO BABANI

Albanien
11/13/2013

Wütende Proteste gegen Übernahme von Syriens C-Waffen

Chemiewaffen-Entsorgung in Albanien: Die USA machen Druck

von Ingrid Steiner-Gashi

Wohin mit Syriens Chemiewaffen? Weil es viel zu gefährlich wäre, die knapp 1300 Tonnen Giftgas aus den Beständen des Assad-Regimes mitten im syrischen Kriegsgebiet zu entsorgen, soll dies außerhalb des Landes geschehen. Und zwar noch möglichst bald: Bis Mitte kommenden Jahres soll laut UNO-Resolution das gesamte Chemiewaffenarsenal Syriens vernichtet sein.

Doch der weltweite Eifer, den Giftmüll aufzunehmen und zu zerstören, hielt sich bisher weltweit in Grenzen. Als potenzielle Aufnahmeländer sagten Norwegen, Schweden und Belgien ab, Deutschland erwägt bestenfalls „einen Beitrag zu leisten“. Das brachte Washington auf den Plan, das kleine und extrem USA-freundliche Albanien könnte in die Bresche springen: Der Transportweg über das Mittelmeer von Syrien nach Albanien sei nicht zu weit, und Albanien verfüge überdies über Erfahrung in der Zerstörung von Chemiewaffen. Als erstes Land der Welt hatte die kleine Republik 2007 sein eigenes Chemiewaffenarsenal vollkommen vernichtet. Bezahlt hatten dies damals die USA.

Protestmärsche

Den syrischen Chemiewaffen-Müll aber wolle man keinesfalls ins Land lassen, verlangen nun mehr und mehr albanische Protestgruppen, die sich gegen den wachsenden Druck aus den USA wehren. Seit Tagen wird in mehreren Städten des Landes demonstriert. „Die Menschen sind sehr zornig, laut Umfragen sind über 90 Prozent der Leute dagegen, dass wir hier die syrischen Chemiewaffen aufnehmen“, schildert Umweltaktivist Lavdosh Ferruni von der „Allianz gegen Giftmüll-Importe“ (AKIP) dem KURIER. Dass Albanien, eines der ärmsten Länder Europas, als Kompensation finanzielle Hilfen erhalten würde, spielt für Ferruni keine Rolle: „Das ist doch keine Frage des Geldes. Es widerspricht unseren Gesetzen und unseren nationalen Interessen.“

Spätestens am Freitag wird die heuer mit dem Friedensnobelpreis bedachte Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPWC) offen legen, wie und wo sie die Zerstörung von Assads Giftwaffen-Arsenal plant. Albaniens neuer, sozialistischer Regierungschef Edi Rama wartet noch so lange ab. Im Dilemma aber steckt er schon jetzt. Er muss sich entscheiden zwischen dem Druck der USA und seiner wütenden Bevölkerung und auch den eigenen Gesetzen: Erst vor Kurzem hatte die frisch gewählte Regierung entschieden, Giftmüllimporte zu verbieten. Jahrelang war solcher mal mehr, mal weniger legal eingeführt worden – und dann oft höchst unsachgemäß, oft einfach im Wald, entsorgt worden. Mit den Folgeschäden hat das Drei-Millionen-Einwohner-Land noch lange zu kämpfen.

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