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Politik Ausland
05/05/2021

Trump bleibt auf Facebook gesperrt - und hat sich sein eigenes Twitter gebastelt

Wie der Ex-Präsident auch ohne Facebook, Twitter&Co. auf sozialen Medien relevant bleiben will und wie er die Partei gängelt.

von Dirk Hautkapp

Früher war alles so einfach für Donald Trump. Handy raus, ein paar Gedankenfetzen gezwitschert, schon war Stimmung in der globalen Bude. Vier Monate nach seinem politischen Ableben als Präsident muss der unverändert mitteilungsbedürftige Geschäftsmann über Mittelsmänner aktiv werden, wenn er Reichweite sucht; etwa im Fernsehen.

Auf Lebenszeit blockiert

Dass Twitter den 74-Jährigen auf Lebenszeit blockierte und damit seiner 88 Millionen Zuhörer beraubte, hat die Sichtbarkeit des Populisten nachhaltig reduziert. Heute, Mittwoch, bestätigte ein Beirat des Social Media-Giganten, dass er auch auf Facebook weiterhin gesperrt bleibt, weil er am 6. Jänner nach Ansicht des Zuckerberg-Unternehmens „einen gewaltsamen Aufstand gegen eine demokratisch gewählte Regierung anzustiften“ versuchte. Zugleich forderte Facebooks unabhängiges Aufsichtsgremium Oversight Board das Online-Netzwerk aber auf, binnen sechs Monaten den Sachverhalt noch einmal zu prüfen.

Trumps eigene Plattform

Trump hat darum wohlweislich eine Trump-eigene Kommunikationsplattform gestartet.

Der am Dienstag gestartete Blog-Bereich erinnert äußerlich an Twitter - wo es aber nur Beiträge von Trump gibt.

Zugleich könnten Trumps Anhänger Äußerungen des ehemaligen US-Präsidenten sozusagen über eine Hintertür zu Twitter und Facebook tragen. Denn sie können jeden Kurzbeitrag mit wenigen Klicks als Zitat und Link bei den Online-Plattformen teilen. Unklar war zunächst, ob die Dienste das zulassen werden.

Dass es den Meister der ambulanten Demütigung juckt, haben die vergangenen Wochen bewiesen. Was seine Zuarbeiter über die Internetseite www.45office.com und andere Quellen nahezu täglich ausstoßen, hat an destruktiver Bissigkeit enorm zugenommen. Einmal beschimpft er den schwarzen Basketball-Star LeBron James als „Rassisten“. Einmal lobhudelt er dem für Verschwörungstheorien empfänglichen TV-Sender OAN. Dazu versucht Trump regelmäßig die durch 60 Gerichtsurteile beerdigte Leiche vom „großen Wahlbetrug“ zu reanimieren.

Glaube an Wahlbetrug

Nicht ohne Erfolg: Fast ein halbes Jahr nach dem Wahlgang glauben 70 Prozent der republikanischen Wähler immer noch, Joe Biden habe sich mit Tricks ins Weiße Haus geschwindelt. Republikaner, die von dieser Linie abweichen, werden rhetorisch einen Kopf kürzer gemacht. Das Gebaren, das Trump dabei in seinem Florida-Exil Mar-a-Lago an den Tag legt, ähnelt dem eines grantelnden Ex-Monarchen. Trump gewährt Audienzen. Oder versagt sie – als Strafe.

Kein Termin für Kritiker

Wie im Fall von Nikki Haley. Die alerte ehemalige UN-Botschafterin hatte sich die Freiheit genommen, Trump nach dem Sturm aufs Kapitol am 6. Januar öffentlich anzuzählen. Dafür bekam sie die Quittung – keine Termine.

Alles hängt an den Wahlen

Liz Cheney ist noch schlechter dran. Die Tochter von Alt-Vizepräsident Dick Cheney plädiert dafür, dass sich ihre Partei von Trump abnabeln müsse, weil dessen „Lügen“ politisch toxisch seien, Trump revanchierte sich, indem er die resolute Mutter von fünf Kindern als unwählbar geißelte. Nicht nur das: Seine politischen Handlanger sind drauf und dran, die 54-Jährige aus der Führung der Konservativen im Repräsentantenhaus zu schubsen.

Ob Trumps Durchgriff auf die Republikaner weiter stark bleibt, werden die Zwischenwahlen im Kongress im Herbst nächsten Jahres zeigen. Stützt Trump die richtigen Leute, und kommen die „Reps“ im Parlament wieder an die Mehrheit, hat er die Bühne bis zur nächsten Nominierung für das Weiße Haus 2024 wohl für sich. Konsolidieren die Biden-Demokraten ihren Vorsprung und gehen Trumps Radikal-Kandidaten baden, dürften die Absetzbewegungen weiter zunehmen. Mit oder ohne Twitter.

Dirk Hautkapp, Washington

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