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Putin schlägt Selenskijs Gesprächsangebot aus: "Sehe darin keinen Sinn"

Trump ist desinteressiert, Putin unter Druck, Selenskij will reden: Die Chance für Gespräche über ein Kriegsende war selten so gut. Doch der Kremlherr sieht darin „keinen Sinn“.
Russia's President Putin attends the St. Petersburg International Economic Forum

Der Zeitpunkt des Briefs war sicherlich kein Zufall. Am Mittwoch hatte die Ukraine ihre „Delegation“ zum Petersburger Wirtschaftsforum geschickt – Drohnen, die ein Öllager im Hafen in Brand setzten und Putins Treffen der Mächtigen und Reichen in schwarzen Rauch hüllten. 

Am Freitag, ein paar Stunden bevor Kremlchef Wladimir Putin dort selbst auf der Bühne stehen sollte, schickte ihm sein Kiewer Gegenüber dann einen offenen Brief: Er würde sich gern mit ihm auf neutralem Boden treffen, schrieb Wolodimir Selenskij, denn er wolle reden. Währenddessen könnten die Waffen schweigen.

Seltenes Angebot aus Kiew

In den viereinhalb Jahren, in denen Putins Soldaten versuchen, die Ukraine einzunehmen, hat Selenskij sich sehr selten an Putin direkt gewandt. Zum einen deshalb, weil der Kremlchef ihn nicht als rechtmäßigen Präsidenten seines Landes akzeptierte, zum anderen, weil die Ukraine sich als Antwort darauf direkte Gespräche mit dem Kremlchef selbst verbot. 

Dazu kam, dass Selenskij nie „die Karten in der Hand hielt“, wie Donald Trump es formulierte: Die Ukraine war auf dem Schlachtfeld im Nachteil und damit stets unter Druck, einem schiefen Deal zustimmen zu müssen.

Gutes Zeitfenster für die Ukraine

Jetzt, da Donald Trump offenbar vollends sein Interesse am Ukraine-Krieg verloren hat, fehlt Putin der Fürsprecher im Weißen Haus. Und weil die Ukraine auf dem Schlachtfeld erstmals seit drei Jahren im Vorteil ist und mit Drohnen auch Großstädte wie Moskau und Petersburg attackiert, hat Selenskij plötzlich ein paar Trümpfe in der Hand. Die Chance, auf diplomatischem Wege zu einem Ende des Krieges zu kommen, war wohl selten so gut wie jetzt.

Selenskij spielt auch in die Karten, dass der Druck auf Putin wächst. Dessen Popularitätswerte sind so tief wie seit der Mobilisierung nicht, was an der Teuerung, Benzinmangel und vor allem den Internetsperren der letzten Monate liegt. 

Dazu kommen Stimmen, die öffentlich eine Kurskorrektur fordern: Vor Kurzem riefen Experten des Finanzministeriums dazu auf, die Ausgaben für den Krieg massiv zu drosseln – sie würden langsam, aber sicher die Wirtschaft erwürgen. Dazu wird seit Tagen in den Medien der Text des renommierten Politikwissenschaftlers Wassilij Kaschin herumgereicht, der argumentiert, dass Moskau ein Abkommen anstreben müsse. Die Kriegsziele zu erreichen, sei mittlerweile „technisch unmöglich.“

Derartiges zu sagen war bisher undenkbar. Dass die kritischen Stimmen nun plötzlich Gehör finden, ist darum kein Zufall, sondern ein Signal, sagt der britische Russlandexperte Mark Galeotti: Solche Texte seien „Testballons“ für eine mögliche Strategieänderung des Kreml, sie erscheinen nur mit Sanktus von ganz oben. In der Redaktion der Zeitschrift, die den unüblich kritischen Aufsatz brachte, sitzt etwa Außenminister Sergej Lawrow.

Kneissl als Polit-Promi

Doch auch wenn der innere Druck wächst: Von einem öffentlichen Kurswechsel ist der Kreml noch weit entfernt. Gut sichtbar wurde das am Freitag beim Wirtschaftsforum in Petersburg, wo sich einst hohe Staatsgäste getummelt hatten, darunter auch Sebastian Kurz und Christian Kern. Mittlerweile zählen die Taliban, einige AfD-ler und die aus Österreich „geflohene“ Ex-Außenministerin Karin Kneissl zu den Polit-Promis. Von ihr kursieren derzeit Videos vom Forum, wie sie sich im Kegeln versucht.

Putin selbst hält dort traditionell eine Rede, meist geht es dabei um die historische Größe und wirtschaftliche Unerschütterlichkeit Russlands. Wenn er auch eingestand: „Ja, die wirtschaftliche Dynamik ist derzeit gebremst“ und sogleich ätzte: Russland sei jetzt auf dem Niveau angekommen, auf dem sich Europa schon jahrelang befinde.

Was er von einem direkten Dialog mit Selenskij hält, machte Putin gestern betont gelassen klar: „Ich sehe darin noch keinen Sinn.“ Vor einem solchen Treffen müsste eine dauerhafte Lösung für die Zeit nach dem Krieg vereinbart werden.

Das am Vortag von Kiew veröffentlichte Schreiben enthalte zudem „Elemente von Unverschämtheit“, so Putin. Die beste Antwort darauf sei aus seiner Sicht daher ein Aufruf an das russische Militär, den der Machthaber gleich selbst tätigte: „An die Arbeit, Brüder!“

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