Kneissl-Brief: Kreml organisierte Umzug nach Russland
Der Kreml hat 2023 die Übersiedlung der ehemaligen Außenministerin Karin Kneissl und ihrer Tiere aus dem Libanon nach Russland hinter den Kulissen vorbereitet und Kneissls russische Karriere sei damit zu erklären, dass sie unter dem Schutz von Präsident Wladimir Putin stehe. Dies berichtet das Monatsmagazin DATUM insbesondere mit Verweis auf ein geleaktes Dankesschreiben in einer am Donnerstag veröffentlichten Episode des Podcasts "Kniefall".
Im mutmaßlichen Schreiben der Ex-Ministerin, das dem Magazin aus westlichen Geheimdienstkreisen zugespielt wurde, wandte sich die ehemalige österreichische Politikerin Anfang 2024 an den mächtigen Chef von Putins Präsidialverwaltung, Anton Wajno. Auf Englisch brachte Kneissl ihren "aufrichtigen Dank" zum Ausdruck, dass sie der russische Regierungsapparat in Russland willkommen geheißen habe und damit die Fortsetzung ihrer Arbeit ermöglicht habe. Die ehemalige Außenministerin selbst ließ am Mittwochabend eine APA-Anfrage per Mail zu diesem Kontakt mit dem höchsten Kreml-Bürokraten unbeantwortet.
Klagen über politisch motivierte Vertreibung aus der EU
In Kneissls Zeilen an Wajno ist aber auch die Rede von vorangegangenen Dankesbriefen an das russische Außenministerium und an die Präsidialverwaltung. Sie habe in diesen Briefen darüber berichtet, dass sie im September 2020 zunächst Österreich habe verlassen müssen und im März 2022 aus der EU geworfen wurde, weil sie es unterlassen habe, Russland zu verurteilen und weiter mit dem Land gearbeitet habe. Nach ihrer Ankunft im Libanon habe sie sich an die Botschaft der Russischen Föderation gewandt, die ihr bei bürokratischen Fragen geholfen habe. Ohne die Hilfe dieser Botschaft wäre es schließlich auch nicht möglich gewesen, nach Russland zu übersiedeln.
"Für die umfassende Unterstützung bei der Organisation meines Umzugs nach St. Petersburg über die Luftwaffenbasis Hmeimim bin ich zutiefst dankbar. Meine Tiere und ich wurden dort wie enge Verwandte aufgenommen", heißt es. Expliziten Dank gibt es zudem für die von Wajno geleitete Präsidialverwaltung, die diese "Operation" hinter den Kulissen vorbereitet habe, das russische Verteidigungsministerium, die Führung der russischen Luftwaffenbasis im syrischen Hmeimim, einen russischen Vizebotschafter sowie den Leiter eines russisch-libanesischen Freundschaftsvereins.
Unter Putins Schutz seit Hochzeitstanz 2018
Angesichts von zahlreichen prominenten Institutionen, an die Kneissl in den letzten Jahren in Russland andocken konnte, mutmaßte der im Exil lebende Geheimdienstexperte Andrej Soldatow, dass Kneissls Leben in Russland nicht von einem einzelnen Geheimdienst oder einem Ministerium organisiert werde. "Ich habe den Eindruck, dass das Ganze von Wladimir Putin überwacht wird", sagte er mit Verweis auf den Hang des russischen Präsidenten zum Mikromanagement.
Anders sah indes eine anonyme Vertreterin eines westlichen Geheimdienstes die Karriere der Österreicherin, die laut geleakten Dokumenten nun mehr als in ihrer Zeit als Ministerin verdient: Im Fall von Kneissl sei keine zentrale Koordinationsstelle nötig, erläuterte sie gegenüber DATUM. Seit Kneissls Tanz mit dem Hochzeitsgast Putin bei ihrer Hochzeit in Gamlitz 2018 würde jeder wissen, dass sie unter dem persönlichen Schutz des Präsidenten stünde.
Kneissl war von 2017 bis zum Ibiza-Skandal 2019 von der FPÖ nominierte Außenministerin. Einen Posten im Aufsichtsrat des russischen Mineralölkonzerns Rosneft, den sie hatte, gab sie im Mai 2022 auf. Nichtsdestotrotz fiel sie auch nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs mit russlandfreundlichen Aussagen auf. Kritiker sehen sie ganz im Dienste der russischen Propaganda stehen. Die NEOS setzen sich dafür ein, Kneissl wegen ihrer Russland-Verbindungen die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Kneissl hatte nach ihrer Amtszeit Österreich verlassen, ging nach Frankreich, dann in den Libanon und übersiedelte im Herbst 2023 nach St. Petersburg.
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