Politik | Ausland
08.06.2018

Trump trifft Putin: Wien mit Aussicht auf eisigen Gipfel

Trump und Putin. Moskau und Washington basteln an einem Treffen im Juli in Österreich

Die Nachricht hat wohl viele Beteiligte in der Bundeshauptstadt am Freitag ziemlich eiskalt erwischt. In den Regierungszentralen in Moskau und in Washington wird offensichtlich fieberhaft an einem Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin gearbeitet. Das weltpolitische Spektakel soll möglicherweise schon Mitte Juli über die Bühne geben, und Wien ist als Austragungsort derzeitiger Favorit. Der Kreml bestätigte am Samstag, dass Wien im Gespräch sei, allerdings neben anderen Städten.

Was Freitagfrüh durch einen Bericht der renommierten konservativen US-Tageszeitung Wall Street Journal erstmals an die Öffentlichkeit gelangte, hat sich nach KURIER-Recherchen schon rund um den Putin-Besuch in Wien in Bewegung gesetzt. Dort fragte der russische Präsident bei Bundeskanzler Sebastian Kurz einmal an, ob man ein solches Treffen nicht organisieren wolle. Im ORF-Interview hatte Putin ja zuvor rhetorisch die Frage gestellt , warum es noch zu keinem Gipfeltreffen mit Trump gekommen sei. Immerhin, so der Präsident, telefoniere man regelmäßig miteinander.

Kurz nahm den Ball eiligst auf und spielte ihn an die Amerikaner weiter. Das relativ kurzfristig für nächste Woche anberaumte Treffen des Kanzlers mit dem neuen US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, ist augenscheinlich der nächste Schritt. Der frühere Kommentator bei Trumps konservativen Lieblingssender Fox News hat ja in der Vorwoche für ordentlich Empörung in den USA und Deutschland gesorgt, als er seine Vorliebe für Europas neue Konservative in einem Interview deutlich machte und dabei Kurz zum „Rockstar“ hochjubelte.

Grundsätzlich ließe sich der Gipfel gut in Trumps Reiseplanung einbauen. Der US-Präsident ist ohnehin am 11. und 12. Juli beim NATO-Gipfel in Brüssel und könnte danach nach Wien weiterreisen. So könnte die Bundeshauptstadt, in der sich ja auch der russische Präsident erwiesenermaßen ziemlich zu Hause fühlt, ein für beide Seiten angenehmer Treffpunkt sein. Trump, der ja nächste Woche, den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un in Singapur trifft, hat grundsätzlich eine Vorliebe für solche Vier-Augen-Gespräche auf höchster Ebene und zieht sie allen multilateralen Foren, also im Rahmen von UNO, NATO oder G-7 vor.

Kaum zu schaffen

Für die Diplomatie aber ist ein so kurzfristig anberaumtes Monster-Ereignis ein logistischer Albtraum. Diplomatische Profis, die mit dem Besuch von George W. Bush in Wien 2006 betraut waren, zweifeln, dass sich die Organisation in so kurzer Zeit machen lässt, vor allem wegen der ungemein aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen. Allein das Einfliegen der quasi unzerstörbaren US-Präsidentenlimousine „The Beast“ ist ein logistischer Riesenzirkus.

Abseits der organisatorischen Hürden drängen sich Beobachtern inhaltliche Fragen auf. Trump bezeichnet sich ja selbst gerne als „dealmaker“, der in solchen Gesprächen nicht nur große Geschäfte machen, sondern auch weltpolitische Krisen aus dem Weg räumen könne. Bei der aktuellen Vielfalt an Konflikten zwischen Moskau und Washington – vom Syrienkrieg bis zu Sanktionen – wird man sich wohl auf einen konzentrieren müssen.