Wie Österreich im einzig stabilen Land der Sahelzone Fuß fassen will

Wie Österreich im einzig stabilen Land der Sahelzone Fuß fassen will
Mit Kampftauchern des Bundesheeres und Mode aus Vorarlberg ringt Österreich um Einfluss im Senegal – neben diversen Großmächten.

Außenminister Alexander Schallenberg kann es selbst nicht fassen. Er ist der erste österreichische Chefdiplomat, der jemals den – schon seit mehr als 60 Jahren unabhängigen – Senegal besucht. Der große Staat im äußersten Westen Afrikas lag bisher fernab des österreichischen Interesses, doch das hat sich geändert. Und das nicht erst, seit in der Nachbarschaft in einem Staat nach dem anderen geputscht wurde.

Allein in den vergangenen drei Jahren kam es zu gewaltsamen Umstürzen von Mali über Guinea, Burkina Faso, Niger, Tschad bis hin zum Sudan (gescheiterte Aufstände nicht eingerechnet), islamistischer Terror nimmt in der Region wieder dramatisch zu.

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Für Europa, das vor allem in Mali und Niger militärisch und mit Sicherheitskooperationen aktiv war und aus den beiden Ländern gedrängt wurde, „war das ein herber Rückschlag“, sagt Schallenberg. „Europäische Hilfe will man dort nicht mehr haben“, schildert auch Caroline Hauptmann, Leiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung in Dakar. „Aber mit Sanktionen bestrafen sie nur die eigene Bevölkerung.“

Eine der Folgen: Nach den Putschen habe sich etwa in Mali die Zahl der Flüchtlinge verachtfacht und in Burkina Faso verfünfzigfacht, sagt Schallenberg. „Und alles, was in der Sahelzone geschieht, hat früher oder später auch Folgen für Europa.“ Vor allem im Hinblick auf mögliche, kommende Migrationsströme. Umso mehr Augenmerk richtet sich nun auf die einzig stabile Demokratie in der Region – Senegal.

Putsche kamen hier nie vor; jüngste Zusammenstöße rund um die Verhaftung eines Oppositionsführers, bei denen es auch Tote gab, hätten den Staat in seinen Grundfesten nicht erschüttert, versichert Caroline Hauptmann. Auch von „einem Land in der Krise“ will die Expertin nichts wissen. Und doch kämpft Senegal neben der instabilen Nachbarschaft mit einem gewaltigen Problem: Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine trieb die Lebensmittelpreise in die Höhe – so sehr, dass viele Familien bereits nur noch zwei Mahlzeiten pro Tag essen. 50 Prozent seiner Getreideimporte bezieht das Land aus Russland und der Ukraine.

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