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Politik Ausland
12/28/2020

Wie eine Impf-App ein Freibrief in ein "normales" Leben wird

Wer sich nicht gegen Corona impfen lässt, könnte es bei Flügen und in einigen Ländern bald schwer haben.

von Ingrid Steiner-Gashi

Er soll eine Art Freibrief auf dem Weg zurück in ein fast normales Leben sein: der „grüne Pass“, den Israel ab 5. Jänner an seine Bürger ausgeben will. Der Pass ist eigentlich eine App des Gesundheitsministeriums, und sie steht jedem Israeli spätestens zwei Wochen nach seiner zweiten Dosis der Corona-Impfung zu.

Zugang haben außerdem alle, die bereits eine Covid-Erkrankung hinter sich haben und alle mit Nachweis eines negativen PCR-Tests. In letztem Fall gilt der „grüne Pass“ allerdings nur 72 Stunden.

Welche Wege tun sich für die Geimpften damit auf?

Zunächst, sobald Israels dritte Lockdown-Runde in zwei Wochen vorüber ist, dürfen Grün-Passbesitzer an die Tourismus-Destinationen am Toten Meer und nach Eilat reisen. Später aber, wenn sich die App als praktikabel erwiesen haben soll, könnte es für alle Nicht-Geimpften schwer werden:

Denn im Coronavirus-Kabinett der Regierung wird gerade diskutiert, ob Einkaufszentren, Sport-, Kultur- und Tourismusstätten künftig nur mit „grünem Pass“ betreten werden dürfen.

„Die Gesundheitspass-App ist ein wichtiger Anreiz, sich impfen zu lassen. Das wird uns erlauben, die Unterhaltungs- und Freizeitbereiche wieder zu öffnen“, bestätigte Geheimdienstminister Eli Cohen der Zeitung Israel Hayom.

Kein Zugang zu Öffis

Auch in Frankreich, dem Land mit den europaweit meisten Impfgegnern, liebäugelt die Regierung mit Verboten für Nicht-Geimpfte: So brachte Premier Jean Castex einen Gesetzesentwurf ein, wonach Nicht-Geimpften der Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln und anderen Orten verweigert werden könnte.

Die Opposition läuft dagegen Sturm. Der Sprecher der Rechtspopulisten befürchtet bereits eine „Gesundheitsdiktatur“. Nach jüngsten Umfragen wollen sich nur 41 Prozent der Franzosen gegen Covid-19 impfen lassen.

In Deutschland hingegen will man genau das vermeiden: Geimpfte sollen nicht mehr Freiheiten haben als Nicht-Geimpfte, niemand soll diskriminiert werden. Alles andere käme einem Impfzwang gleich, versicherte Innenminister Horst Seehofer (CSU). Auch unterschiedliche Behandlung in privaten Unternehmen wie Fluglinien lehnt Seehofer ab.Doch etliche große Fluggesellschaften, darunter die Lufthansa, haben längst ihre eigenen Vorbereitungen getroffen. Vor allem im darbenden Langstreckenverkehr sollen Fluggäste künftig einen Nachweis für eine Impfung oder zumindest einen negativen PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden) vorlegen.

Lufthansa

Lufthansa, Swiss International Airlines, United Airlines, JetBlue und Virgin Atlantic werden demnächst einen elektronischen Gesundheitspass in Form einer App verlangen. Dort werden die entsprechenden persönlichen medizinischen Daten hochgeladen. Damit lässt sich ein Gesundheitspass in Form eines QR-Codes erzeugen, den man bei der Flugbuchung oder bei Sicherheitskontrollen vorzeigt.

Die australische Fluglinie Quantas hat hingegen bereits festgelegt: An Bord eines Langstreckenfluges dürfen künftig nur Geimpfte.

Die österreichische Lufthansa-Tochter Austrian wartet vorerst noch. „Es gibt noch keine finale Entscheidung darüber, ob und welche App-Anbieter künftig bei Austrian zum Einsatz kommen könnten“, antwortet ein Austrian-Sprecher dem KURIER. „Selbstverständlich beobachten wir die Entwicklungen anderer Airlines und werden auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse über das weitere Vorgehen entscheiden.“

Geimpfte in den USA erhalten derzeit einen Zettel als Nachweis. Die Fluglinien wollen ihn aber nicht anerkennen: Viel zu leicht zu fälschen.

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