Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja zeigt ein Foto ihres inhaftierten Ehemanns Sergej

© APA/AFP/POOL/ROMAN VONDROUS

Politik Ausland
12/14/2021

18 Jahre Haft für den Mann der weißrussischen Oppositionellen Tichanowskaja

Das Urteil gegen Sergej Tichanowski sei „rechtswidrig“ und „nichts, womit man sich abfinden kann“. Seine Frau kämpft weiter.

von Susanne Bobek

Weißrussland. „18 Jahre Gefängnis für meinen Mann – das ist die Rache des Diktators an seinen stärksten Gegnern. Er hat Angst vor Menschen, die wie mein Mann Rückhalt in der Bevölkerung haben. Deren Existenz ist für ihn schon ein Verbrechen“, sagte Swetlana Tichanowskaja am Dienstagnachmittag in einer ersten Reaktion auf das Skandalurteil von 18 Jahren Haft  der Bild-Zeitung.

Gestohlene Wahlen

Der bekannte Blogger Sergej Tichanoswski (43) wurde verurteil, weil er „Massen-Unruhen organisiert und zum Hass angestiftet“ habe. Dabei wollte  er ursprünglich gegen Langzeitdiktator Alexander Lukaschenko bei den Wahlen im August 2020 antreten. Weil er im Mai 2020 verhaftet wurde, trat seine Frau Swetlana an seiner Stelle an. Der Wahlausgang (Lukaschenko siegte klar) war laut Beobachtern klar gefälscht.

Die 39-Jährige lebt seither mit ihren zwei Kindern im Exil in Vilnius in Litauen. Seither kämpft sie unermüdlich, versprüht Hoffnung, und glaubt immer noch, dass ihr Mann und die anderen Oppositionellen bald freikämen.

Ein paralysiertes Land

Aber die Weißrussen, die noch im Herbst und Winter 2020 zu Zehntausenden auf die Straße gegangen waren und gegen  Lukaschenko protestiert hatten, sind offenbar derzeit wie paralysiert. Noch regt sich kein Massenprotest gegen das unerhörte Vorgehen des Diktators und seiner Schergen.


 Zu viele Demonstranten wurden willkürlich ins Gefängnis geworfen oder ins Ausland vertrieben. Jetzt liegt das Land in einer Art Schockstarre, denn jeder  kennt jemanden, der im Gefängnis sitzt. Und jeder weiß, dass dort gefoltert wird.  

Extrem harte Strafen

Tichanowskaja bezeichnet das Urteil gegen ihren Mann, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen wurde,  als „rechtswidrig“.
So wie die Urteile gegen fünf weitere Männer, die am Dienstag lange Haftstrafen ausfassten. So muss etwa der prominente Oppositionspolitiker Nikolaj Statkewitsch für 14 Jahre ins Straflager. Ungeachtet internationaler Proteste wurden  bereits mehrere prominente Oppositionelle verurteilt wie Maria Kolesnikowa (elf Jahre Lagerhaft) und  Oppositionspolitiker Viktor Babariko (14 Jahre).


Mit welchen neuerlichen Sanktionen die westliche Welt reagieren wird, ist Lukaschenko offenbar egal, solange Wladimir Putin ihn gewähren lässt.  Lukaschenko schickt ja weiterhin Flüchtlinge aus Nahost zur polnischen  und damit an die EU-Außengrenze.

 

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