Politik | Ausland 06.01.2018

Wassermangel in Kapstadt: Die erste Großstadt, die auf dem Trockenen sitzt

Hier beim Theewaterskloof-Damm sollte eigentlich Wasser sein © Bild: EPA/NIC BOTHMA

Im April wird die südafrikanische Stadt die Wasserhähne abdrehen. Schuld ist nicht nur der Klimawandel.

Auf der Internetseite von Kapstadt in Südafrika läuft bereits der Countdown. "Tag Null: 29.04.2018" ist dort zu lesen. Das ist der Zeitpunkt, an dem die Trinkwasserversorgung abgestellt wird.

Mehr als vier Millionen Menschen werden dann auf dem Trockenen sitzen. Es gibt Aufmarschpläne, wonach das Militär an 200 Orten Wasserflaschen verteilen wird. Bewohner zeichnen ein düsteres Bild von dem, was Ende April passieren wird.

Die Ausgangslage ist so: Tatsächlich gibt es zwei Kapstadts. Das eine ist das touristische mit knapp zwei Millionen Einwohnern, die Kriminalitätsrate ist hier ähnlich wie in Europa. Es locken Tafelberg und Waterfront.

Soziale Unruhen drohen

Und dann gibt es die Townships, allen voran Khayelitsha, das die meisten Touristen nur von der Autobahn aus sehen. Offiziell wohnen hier rund 1,6 Millionen Menschen, tatsächlich dürften es 2,5 Millionen sein.

Nach behördlicher Auskunft gibt es sechs Morde, inoffizielle Quellen sprechen von 30 Tötungsdelikten. Am Tag wohlgemerkt. In ganz Österreich gibt es so viele pro Jahr. Und es gibt keine Supermärkte, viele Taxifahrer weigern sich überhaupt, dorthin zu fahren.

Vor allem zwei Dinge sorgen dafür, dass sich die Masse an Townshipbewohnern nicht in Bewegung setzt – Strom und Wasser. Beides gibt es ausreichend. Für den (illegal angezapften) Strom wollte die Stadt vor Jahren Geld eintreiben und Zähler in den Townships montieren. Bis heute sind einige der Arbeiter vermisst, die solche Geräte anbringen sollten.

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Grafik © Bild: Grafik

Man kann sich also ausmalen, was eine Sperre des Wassers auslösen könnte. "Sie werden in die Stadt kommen und hier demonstrieren", sagt ein in Kapstadt lebender Deutscher. Unter den Bewohnern des anderen Kapstadt löst das schlimmste Befürchtungen aus.

Seit dem Jahreswechsel ist das Wasser pro Person auf 40 Liter limitiert (in Wien liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in den heißen Monaten bei 160 Litern). Doch selbst an die vorher erlassenen 80 Liter hielt sich laut offiziellen Zahlen nur jeder Dritte. "Es gab vor zehn Jahren schon einmal so eine Krise, da schränkten sich alle ein. Heute ist es jedem egal", berichtet ein Kapstädter.

Korruption

Doch nicht nur die Jahrhundert-Trockenheit wird von den Bewohnern für die Wasserknappheit verantwortlich gemacht, auch Korruption wird angeprangert. Der Zorn auf das staatliche Wassermonopol steigt – die Behörden haben offenbar Entsalzungsanlagen verhindert, um ihr Monopol aufrecht zu halten.

Im Oktober hieß es noch, dass alles im Lot sei. Nun werden eilends Entsalzungsanlagen gebaut und unterirdische Wasservorräte angebohrt. Doch das dürfte nicht reichen, wenn die Bewohner nicht umdenken. Hoteliers erlauben aus Angst vor ausbleibenden Gästen den Touristen das Baden. Im Mai beginnt die Regenzeit. Die Bewohner hoffen, dass es dann wieder nassen Nachschub gibt.

( kurier.at ) Erstellt am 06.01.2018