Politik | Ausland 17.12.2011

Was aus den arabischen Ex-Diktatoren wurde

Die Despoten in Tunesien, Ägypten und Libyen sind gestürzt. Was ein Jahr nach Beginn der Aufstände aus ihnen und ihren Familien wurde.

Luxus, Abgeschiedenheit und Anonymität: Was Punta Mita, der kleine, aber feine Urlaubsort an der Westküste Mexikos zu bieten hat, schätzen Stars wie Charlie Sheen und Lady Gaga, aber auch Diktatorensöhne. Im November wollte auch Saadi Gaddafi dort ungestört untertauchen. Der Playboy und Oberbefehlshaber von Gaddafis Sondereinheiten während der Aufstände wollte mit gefälschten Papieren einreisen. Doch die mexikanischen Behörden ließen sich nicht überraschen. Wohl wissend, dass Mexiko ein möglicher Zufluchtsort für Mitglieder der Familie Gaddafi sein könnte, deckten sie den von einer Kanadierin organisierten Plot auf. Saadi genießt also weiterhin politisches Asyl im Niger, wo er noch vor dem Tod seines Vaters untergetaucht ist.

Die Gaddafi-Familie

Gaddafi-Tochter Aisha (34) hetzte aus dem Exil gegen die Anti-Gaddafi-Kämpfer.
© Bild: EPA

Mutter Safiya , Schwester Aisha und die Brüder Hannibal und Mohammed Gaddafi halten sich hingegen seit Ende August in Libyens Nachbarstaat Algerien auf. Aisha meldete sich von dort über das syrische Fernsehen zu Wort. Kriegerisch hetzte sie gegen Anti-Gaddafi-Kämpfer, rief ihre Anhänger auf, nicht aufzugeben und verlangte vom Internationalen Gerichtshof die Aufklärung des Todes ihres Vaters und von Bruder Mutassim.

Saif al Arabs Verbleib ist unklar. Angeblich soll er bei einem NATO-Angriff im April getötet worden sein. Im libyschen Volk glauben aber viele, dass das nicht stimmt. Saif al Islam ist in Haft in Libyen. Wo genau, wird geheim gehalten. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag verlangt seine Auslieferung, er ist wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Doch die neue libysche Führung will ihm selbst den Prozess machen.

Die Mubaraks

Hosni Mubarak (83) ist in Haft, Ehefrau Suzanne unter Hausarrest.
© Bild: REUTERS

Den Prozess macht Ägypten seinem ehemaligen Staatschef schon seit August: Hosni Mubarak und seine Söhne Gamal und Alaa befinden sich in Untersuchungshaft in Kairo. Der Ex-Präsident Ägyptens leidet angeblich an Krebs, weswegen er auf einem Krankenbett liegend verhört werden muss. Er ist in Behandlung.

Der Prozess wegen Korruption und Gewalt gegen Demonstranten begann am 3. August. Immer wieder wurden die Verhandlungen aufgeschoben, zuletzt im Oktober wegen eines Befangenheitsantrages. Die nächste Runde ist am 26. Dezember. Beobachter deuten die Verzögerungen als Taktik – eventuell des Militärrates, der kein Interesse an der Verurteilung Mubaraks habe.

Suzanne Mubarak wird vorgeworfen, sich ebenfalls illegal bereichert zu haben. Die Ehefrau von Hosni Mubarak hatte sich nach dessen Rücktritt mit ihm in der Präsidentenresidenz in Sharm el Sheikh aufgehalten. Im Mai befand sie sich einige Tage in Untersuchungshaft, konnte sich aber freikaufen, indem sie dem Staat 2,8 Millionen Euro überwies. Die Ermittlungen gehen weiter. „Tante Suzanne“, wie sie genannt wird, befindet sich unter Hausarrest – sie ist zurück in der Villa am Roten Meer.

Ben Ali und seine verhasste Frau

Geflüchtet: Tunesiens geflüchteter Despot Ben Ali mit Ehefrau Leila Trabelsi.
© Bild: dapd(c) AP

Der tunesische Ex-Präsident und seine Frau sind rechtzeitig geflohen: Zine el Abidine Ben Ali (75) und seine Frau Leila Trabelsi (55) befinden sich seit Mitte Jänner in Saudi-Arabien. Beide wurden im Juni von einem Zivilgericht in Abwesenheit wegen Veruntreuung von Staatsgeldern verurteilt. Ben Ali wurde zudem von einem Militärgericht wegen Folter verurteilt. Insgesamt erwarten ihn bereits 60 Jahre Gefängnis. Prozesse wegen Mordes, Anstiftung zum Mord, Drogenkonsums und -handels stehen aber noch aus.

Das geteilte „Leid“ hat die Ehepartner weit voneinander entfernt. Angeblich reden die beiden nicht mehr miteinander. Leila habe mit ihrer Geldgier alles kaputtgemacht, soll ihr Mann ihr vorwerfen. Damit ist er nicht alleine. Auch vom tunesischen Volk wird sie für die Ausweitung der Korruption verantwortlich gemacht. Die ehemalige Frisörin habe „dem Volk einen üblen Haarschnitt verpasst“, spottet man in Tunis.

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( Kurier ) Erstellt am 17.12.2011