Balettschülerin mit Maske in einer Favela in Sao Paulo

© APA/AFP/NELSON ALMEIDA

Politik Ausland
09/09/2020

Warum Corona-Zahlen schwer zu vergleichen sind

Weltweit gibt es unterschiedliche Zählweisen, hohe Dunkelziffer an Erkrankten uind Gestorbenen in Indien und Brasilien

„Schamlos und moralisch verwerflich“ – nichts anderes seien die Vorwürfe der USA. Vom ersten Tag der Corona-Pandemie an reagierte die Führung in Peking hellauf empört auf die immer wieder geäußerte Skepsis, wonach die offiziellen Zahlen an Covid-19 Erkrankter und Verstorbener in China viel zu niedrig angesetzt seien.
Bis heute hat das Land, in dem die Pandemie ihren Ursprung nahm, rund 90.000 Fälle registriert. 4.732 Menschen seien gestorben, derzeit meldet das Reich der Mitte 175 Erkrankungen. Grund genug für Staatschef Xi Jinping, in der Großen Halle des Volkes in Peking in einer bombastischen Feier den „Helden“ im „Volkskrieg gegen Covid-19“ zu danken.

Das Schlimmste scheint tatsächlich überstanden. China-Experten bleiben dennoch skeptisch: Statistiken mussten in China schon immer den politischen Zielen angepasst werden. Und Pekings Vorgabe lautet: Das Virus besiegen – besser als alle anderen. Allen voran als die USA.

Tatsächlich wütete das Virus bisher nirgends so schlimm wie in den Vereinigten Staaten: 6,3 Millionen Fälle wurden registriert, knapp 190.000 Tote sind zu beklagen.

Aber nirgendwo breitet sich das Coronavirus derzeit schneller aus als in Indien: Im zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt zählt man derzeit 4,15 Millionen Fälle bisheriger Erkrankungen und knapp 73.000 Tote. Gesundheitsexperten gehen aber von einer sehr hohen Zahl nicht erfasster Fälle aus.

Indien testet zwar inzwischen deutlich mehr, aber pro Kopf ist die Testrate im südasiatischen Land noch deutlich niedriger als in den meisten anderen Ländern.

Unklare Todesursache

Viele der 1,3 Milliarden Inder habern kaum Zugang zu medizinischer Versorgung. Bei Todesfällen in den Dörfern lässt sich meist nicht ermitteln, ob die Menschen Opfer von Covid-19 wurden.

Ähnlich ist die Lage in Brasilien: 4,28 Millionen Fälle listet die Johns Hopkins University bisher an Coronaerkrankungen in Brasilien auf, die Dunkelziffer aber dürfte weit höher sein. Auch die offizielle Zahl von knapp 127.000 Toten könnte noch schlimmer sein.

Bei aller Schwierigkeit, die Coronazahlen weltweit zu vergleichen, hat Peru mittlerweile einen traurigen Spitzenplatz erworben: Hier gibt es die weltweit höchste Sterberate – von einer Million Menschen sterben 856 an Corona.

Bisher hatte Belgien diesen Platz inne. Allerdings hatte man dort lange jeden Gestorbenen mit auch nur dem leisesten Verdacht auf Corona automatisch gleich als Corona-Toten gezählt.

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