Warum Amerikas „Tradwives“ das Frauenwahlrecht infrage stellen
Kommen mit den FPÖ-Plänen für Familien demnächst überkommene Rollenbilder zurück?
Der Mann geht arbeiten, die Frau schmeißt den Haushalt. Und wählen? Das soll künftig auch (wieder) der Mann übernehmen. Eine seit einem Jahrzehnt im Hintergrund laufende, konservative Kommunikationskampagne in den USA beginnt nun, Früchte zu tragen. Ihr voran steht die 21-jährige Gen-Z-Influencerin Savanna Faith Stone.
Sie ist eine selbsternannte „Tradwife“, also eine „traditionelle Ehefrau“, ein Begriff, der schon länger in den sozialen Medien kursiert. Dabei inszenieren Influencerinnen konservative Rollenbilder und unbezahlte Care-Arbeit in einem ästhetischen Setting. Auch Stone hat sich eine Anhängerschaft aufgebaut, indem sie traditionelle Geschlechterrollen vertritt und Unterordnung predigt. Und unter diese Weltanschauung fällt eben auch das Wahlrecht. Oder eben der Verzicht darauf: „Ich würde gerne auf mein Wahlrecht verzichten, um ein konservativeres Land zu haben“, erklärte die 21-Jährige in einem Podcastinterview.
„Wird mich gut vertreten“
Anstelle eines eigenen Wahlrechts plädieren immer mehr christlich-konservative Frauen wie Stone für eine sogenannte Haushaltsabstimmung. Politische Mitsprache wird dabei an den Ehemann abgegeben. „Mein Mann und ich sind eins. Er würde mich gut repräsentieren“, sagte die Influencerin erst im Juni vor Tausenden Gleichgesinnten beim „Turning Point USA Women’s Leadership Summit“ in San Antonio in Texas.
Stone beruft sich auf die strenge Interpretation biblischer Passagen, die den Mann als Oberhaupt der Familie und die Frau als seine „Gehilfin“ festlegen. In Epheser 5,22 heißt es beispielsweise: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn.“ Die Auslegung ist unter Konservativen zwar nicht neu, gewinnt aber zunehmend an Boden, da Algorithmen im Netz extreme Rhetorik belohnen und dafür sorgen, dass Rand-Ideen immer leichter in den Mainstream finden.
Auf das Wahlrecht zu verzichten, kommt deshalb auch für einige junge Amerikanerinnen vermehrt in Frage: „Das ist, wozu die Bibel uns aufruft“, beruft sich eine junge Teilnehmerin der Veranstaltung im Gespräch mit dem amerikanischen Sender CNN im Anschluss an Stones Auftritt.
Hausfrauenromantik und Unterwürfigkeit
Neben Stone verkaufen in den sozialen Netzwerken auch immer mehr junge Frauen als „Tradwives“ ihren Lebensstil als erstrebenswert. In den meisten Fällen erleben die bekanntesten Gesichter der Strömung die selbst propagierte Abhängigkeit gar nicht: Reichweitenstarke Influencerinnen wie Stone, Hannah Neeleman („Ballerina Farm“) oder Nara Smith verdienen mit ihrer Online-Präsenz Geld, während sie ihr Familienleben, das Kochen mit frischen Zutaten und traditionelle Geschlechterrollen inszenieren.
Die Gefahr hinter dieser ästhetischen Hausfrauenromantik und der beworbenen Unterwürfigkeit ist die damit einhergehende ökonomische Abhängigkeit und die Armutsgefahr für Frauen.
Längst angekommen ist diese Weltanschauung nicht nur bei Frauen der Generation Z: Laut einer weltweiten Studie des Kings College London stimmten 31 Prozent der Männer der Gen Z zu, dass eine Ehefrau ihrem Ehemann stets gehorchen sollte. Ein Drittel sei außerdem der Meinung, dass ein Ehemann bei wichtigen Entscheidungen das letzte Wort haben sollte. Befragte Männer, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden, vertraten dabei doppelt so häufig traditionelle Ansichten zur Entscheidungsfindung in der Ehe wie die Generation der Babyboomer.
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