Kommentar
07/06/2015

Großer Abgang für einen großen Selbstdarsteller

von Konrad Kramar

Ob es nun den großen Schlussakkord in der griechischen Götterdämmerung gibt, oder doch eine versöhnliche Kompromisslösung, Yanis Varoufakis ist nicht mehr dabei. Eigentlich wenig überraschend, denn an Lösungen und noch weniger an Kompromissen war Griechenlands umstrittener Finanzminister ohnehin nie wirklich interessiert. Das war dem 54-jährigen, international bestens vernetzten Wirtschaftsprofessor immer eine Nummer zu klein und zu wenig glamourös. Wie so viele linke Intellektuelle wollte er vor allem eines: Seine Theorie, seine Weltvorstellung präsentieren und gegen den Rest der Welt durchfechten. Varoufakis Bühne war die über Jahre die Lehrkanzel gewesen, der akademische Diskurs mit Studenten, die ihn für seine intellektuelle Brillianz vergötterten.

Diese Leidenschaft lebte er auf Universitäten und Podien weltweit und natürlich auch in seinen Blogeinträgen im Internet aus. Das aber war auch sein Zugang zu seinem neuen Job als Finanzminister und zu den Gläubigern. Doch statt sich seinen Erörterungen über ein neues Europa und eine globale Antwort auf den Neoliberalismus und Finanzkapitalismus hinzugeben, wollten die einfach übers Geld reden - übers Geld, das die Banken Griechenland lange vor Varoufakis mit allen Mitteln in den Hals gestopft hatten und das in Athen in den bewährten Kanälen einer tief verwurzelten elitären Freunderlwirtschaft versickerte.

Wie und wo man dieses Geld wieder herbekommt, das wusste und weiß auch Varoufakis nicht. Er, der postmoderne Marxist, wusste wie schon Generationen linker Vordenker vor ihm, wie man das alles – theoretisch – ganz anders und unendlich viel besser machen könnte. Das aber half und hilft seinem vor der Pleite stehenden Heimatland herzlich wenig. Dass Varoufakis jetzt abgeht, wird für viele seiner Verhandlungspartner eine Erleichterung sein, haben sie sich doch die Eitelkeiten des Herrn Professor ein paar Mal zu oft vorführen lassen. Es ist aber auch der beste Abgang für Varoufakis selbst. Denn jetzt ist Zahltag für Griechenland und am Zahltag waren die linken Vordenker noch nie gerne anwesend. Da saßen sie schon lieber im nächsten Zirkel, um die Welt – jetzt aber wirklich – zu verbessern.

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