USA und Iran auf Friedenssuche in Islamabad - hält die Waffenruhe?
Die breiten Boulevards sind in diesen Tagen menschenleer, dabei wurden sie vor Jahrzehnten auf dem Reißbrett für möglichst viele Autos entworfen. Seit Donnerstag gleicht Pakistans Hauptstadt einer Geisterstadt: Das Zentrum ist großräumig abgesperrt, auf den Straßen patrouillieren Armee, Polizei und Paramilitärs, die Regierung erklärte Donnerstag und Freitag kurzfristig zu Feiertagen. Die Weltpolitik ist in der Stadt, ab Samstag verhandeln hier der Iran und die USA über einen möglichen Frieden.
Vier mögliche Austragungsorte hatte die Regierung vorab genannt, darunter das Büro des Premierministers Shehbaz Sherif, das Kongresszentrum und einen Militärstützpunkt. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass die Gespräche im Luxus-Hotel Serena stattfinden werden: Alle Straßen im Umkreis von drei Kilometern wurden gesperrt, alle Gäste bis Sonntagabend umgesiedelt.
Zum Schutz der Verhandler fuhr Pakistan Soldaten, ein Polizei-Großaufgebot und sogar Söldnergruppen auf.
Pakistans Regierung gibt zu den Verhandlungen kaum Details bekannt, doch erste Verhandler trafen laut Berichten schon am Donnerstagabend ein, auch Delegationen aus Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).
Die Verhandler: Von JD Vance bis Bagher Ghalibaf
Die US-Delegation führt Vizepräsident JD Vance an, begleitet wird er unter anderem von Donald Trumps Chefverhandlern Steve Witkoff und Jared Kushner. Vance gab sich vorab misstrauisch: „Wenn sie versuchen, uns zu täuschen, werden wir die ausgestreckte Hand zurückziehen.“
Auf iranischer Seite leitet Parlamentspräsident Bagher Ghalibaf die Gespräche, ihn begleiten Außenminister Abbas Araqchi sowie hochrangige Vertreter der Revolutionsgarden. Vom neuen Obersten Führer, Ayatollah Mojtaba Khamenei, fehlt weiter jede Spur, ein Sprecher verlas am Freitag nur folgende Nachricht: „Wir wollen keinen Waffenstillstand, der es dem Angreifer erlaubt, weitere Angriffe zu starten.“
US-Vizepräsident JD Vance führt die US-Delegation in Pakistan an.
Die Verhandlungen werden durch unterschiedliche Auffassungen der am Dienstag vereinbarten Waffenruhe schwer belastet. Pakistan und der Iran erwarten, dass Israel auch seine Angriffe auf die Hisbollah-Miliz im Libanon einstellt. Israel und die USA behaupten, dieser Krieg sei eine „separate Angelegenheit“. Irans stellvertretender Außenminister erklärte am Donnerstag, Pakistan habe nach den schweren israelischen Angriffen auf Beirut (s. rechts) interveniert, um iranische Gegenschläge zu verhindern.
Wie Pakistan so erfolgreich vermitteln konnte - mithilfe Chinas
Das streicht erneut Pakistans große Vermittlungserfolge heraus. Immer mehr Details deuten darauf hin, dass vor allem der mächtige Armeechef Asim Munir die Waffenruhe vorantrieb – aus Sorge, Pakistan könnte wegen seines Schutzbündnisses mit Saudi-Arabien in den Krieg hineingezogen werden.
Wie der renommierte pakistanische Journalist Shah Meer Baloch (u. a. Guardian) berichtet, habe Munir am Dienstag stundenlang nach Washington und Teheran telefoniert. Die US-Regierung sei erpicht auf eine Waffenruhe gewesen, der Iran habe jedoch Garantien gefordert, dass die USA und Israel diese auch einhalten. Das konnte Munir nicht zusichern.
Also soll der General den nördlichen Nachbarn China mit eingebunden haben. Erst in der Vorwoche hatte Pakistans Außenminister Ishaq Dar seinen Amtskollegen Wang Yi in Peking bekniet, China solle sich aktiver bei der Friedensfindung einbringen. Davon ließ sich Chinas Regierung offenbar am Dienstag überzeugen: Wang rief in Teheran an und soll die dortige Führung überzeugt haben, die Feuerpause zu akzeptieren.
Die Außenminister Ishaq Dar (Pakistan) und Wang Yi (China) in Peking.
„Wir waren der Mediator, China war der Garantiegeber“, zitiert Baloch einen hochrangigen pakistanischen Beamten. „Sie sicherten zu, dass sie die USA überzeugen würden, das Abkommen einzuhalten.“ Auch für die Sicherheit der iranischen Delegation bei den Verhandlungen garantierte China demnach.
Es war bereits vier Uhr morgens, als in Islamabad endlich die Nachricht eintraf, dass der Iran zugestimmt habe. Keine 48 Stunden später setzten die ersten Delegationsflieger am Flughafen auf.
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