Q&A

Was die US-Blockade der Straße von Hormus für die Welt bedeutet

Seit 16:00 Uhr ist die Meerenge endgültig geschlossen, nachdem das US-Militär nun jene Schiffe aufhalten will, die der Iran passieren lässt. Was das für die Waffenruhe und den Ölpreis bedeutet.
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Am Montag um 16.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MESZ) trat sie in Kraft: die Blockade der Straße von Hormus. Verhängt wurde sie diesmal vom US-Militär – nachdem die erste Runde der Friedensgespräche zwischen beiden Kriegsparteien am Wochenende in Pakistan gescheitert war. 

Was bedeutet das für den weiteren Verlauf der Waffenruhe? Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen:

Warum sind die Verhandlungen gescheitert?

Beide Delegationen sehen die Schuld für die geplatzten Gespräche beim Gegenüber. Die USA hätten laut Vizepräsident JD Vance ihr „bestes und letztes“ Angebot für eine friedliche Lösung abgegeben, doch: „Sie haben sich entschieden, unsere Bedingungen nicht zu akzeptieren.“

Genau hier liegt offenbar das Problem: Das iranische Verhandlungsteam scheint verärgert zu sein, dass die US-Delegation nicht verhandeln, sondern Forderungen diktieren wollte. „Keine Verhandlungen werden auf der Grundlage eurer Bedingungen Erfolg haben“, schrieb Ex-Außenminister Mohammad Javad Zarif auf X.

Berichten zufolge liegen beide Seiten nach wie vor weit auseinander. So fordert der Iran etwa weiter die dauerhafte Kontrolle über die Straße von Hormus sowie umfassende Reparaturzahlungen. Und er weigert sich inzwischen, sein Atomprogramm aufzugeben – das ist jedoch eine Kernforderung der Trump-Regierung.

Sind trotzdem weitere Gespräche möglich?

Danach sieht es aus, zumindest hat Trump weitere Gespräche gegenüber Fox News angedeutet. In iranischen Staatsmedien erklärte ein Sprecher des Außenministeriums, man wolle „weiter daran arbeiten, die unterschiedlichen Standpunkte einander anzunähern“. Wann und wo künftige Gespräche stattfinden könnten, ist aber noch unklar.

Was passiert jetzt?

Am Sonntag kündigte Trump an, die Durchfahrt jeglicher Schiffe in der Straße von Hormus würde mithilfe der US-Marine gestoppt. Später verlautbarte das zuständige US-Zentralkommando, die Blockade richte sich gegen Schiffe aller Nationen, „die iranische Häfen und Küstengebiete anlaufen oder verlassen“. 

Iranische Häfen am Persischen Golf und am Golf von Oman seien davon genauso umfasst wie Tanker, die die iranische „Maut“ für die Durchfahrt bezahlt haben. Soldaten der US-Marine würden diese Schiffe beobachten, eskortieren, abfangen – und wenn nötig auch an Bord gehen.

Für Tanker, die für Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) durch die Meerenge fahren, soll dies demnach nicht gelten. Dennoch dürften kaum Schiffe die Durchfahrt wagen: Entweder sie riskieren einen Angriff des Iran, weil sie die Maut nicht zahlen – oder sie werden von den USA genau deswegen aufgehalten.

Wird es auch wieder Angriffe geben?

Berichten zufolge verlegen die Revolutionsgarden aktuell Soldaten an die Südküste, um einer US-Invasion vorzubeugen. Die USA hatten schon vor einer Woche ca. 10.000 neue Soldaten in den Nahen Osten gebracht. Trump drohte indes: „Jeder Iraner, der auf uns oder (andere) Schiffe feuert, wird in die Hölle gesprengt!“ In dem Fall wäre die vereinbarte Waffenruhe gebrochen, sie gilt noch bis 22. April.

Können die USA so eine Blockade überhaupt durchführen?

Technisch ja, sagen Analysten. Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln könnte als Einsatzbasis für das Entern von Schiffen dienen. Die acht Lenkwaffenzerstörer, die die USA in die Region verlegt haben, könnten eingesetzt werden, um Öltanker zu blockieren, berichtet das Wall Street Journal. Die Zerstörer würden auch dazu dienen, mögliche iranische Luftangriffe abzuwehren. 

U.S. Navy sailor looks out as Nimitz-class aircraft carrier USS Abraham Lincoln conducts a replenishment-at-sea

Ein US-Matrose blickt auf den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln.

Jedoch verfügen die iranischen Revolutionsgarden weiter über einen Großteil ihrer Schnellboote. Dazu kommt die Gefahr von Minen. Alternativ könnten die USA auch damit warten, Schiffe zu entern, bis diese in andere Gewässer einlaufen.

Welche Folgen könnte die US-Blockade haben?

Gewaltige – zunächst für den Iran selbst. Rund die Hälfte der staatlichen Einnahmen des Iran stammen aus Öl und Gas. Während des Kriegs konnten die Mullahs weiterhin Rohöl exportieren und damit die Kriegskasse der Streitkräfte und Revolutionsgarden füllen. Nun würden sie um dieses Geld und auch die seit Kriegsbeginn eingeführte Maut umfallen.

Gleichzeitig würden bei einer erfolgreichen Blockade der iranischen Exporte täglich noch einmal zwei Millionen Barrel Öl am Markt fehlen, rechnet der Ölmarktforscher Rory Johnston im WSJ vor. Die Folgen: Der Ölpreis wird weiter steigen – und die in vielen (vor allem asiatische) Ländern bereits angespannte Versorgungslage massiv verschärft. Noch vor Inkrafttreten der US-Blockade stieg der Preis der Rohölsorte Brent am Montag um sieben Prozent und durchbrach pro Fass erneut die 100-Dollar-Marke.

Wie der Iran auf die Blockade reagieren wird, ist unklar. Die Mullahs haben im Vorfeld mit Angriffen auf Häfen in den Golfstaaten gedroht. Zugleich wissen sie, dass ein höherer Ölpreis in erster Linie die US-Regierung unter Druck setzt: Trump hatte die iranischen Ölexporte erst kürzlich von US-Sanktionen ausgenommen, um den Ölpreis zu drücken.

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