Weniger Reis, kaum Kühlung: Asien leidet besonders stark unter der Energiekrise

Pakistan bis Vietnam: Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus trifft viele asiatische Länder ins Mark.
PHILIPPINES-US-ISRAEL-IRAN-WAR-OIL-ENERGY

Die Krise, so mussten pakistanische Fans schmerzhaft feststellen, macht selbst vor dem wichtigsten Sportereignis des Jahres nicht Halt. Seit Ende März findet in dem südasiatischen Land das populäre Cricketturnier der Pakistan Super League statt – allerdings ohne Zuschauer. Um den Energieverbrauch zu senken, sollen Fans nicht in Bussen zu den Stadien gekarrt und Essensstände nicht mit Gas versorgt werden müssen. Auch die Eröffnungszeremonie haben die Veranstalter abgesagt. 

Hintergrund ist der Krieg der USA und Israels mit dem Iran sowie die anhaltende Sperre der Straße von Hormus, die man in Pakistan an der Zapfsäule spürt (die Regierung in Islamabad hat die Benzinpreise um 46 Prozent und die Dieselpreise um fast 90 Prozent angehoben) – und mittlerweile auch in so ziemlich jedem anderen Lebensbereich: In dem 240-Millionen-Einwohner-Land gilt wegen der Energiekrise eine Vier-Tage-Woche im öffentlichen Dienst, Universitäten sind auf Online-Unterricht umgestellt. Märkte und Malls müssen früher schließen und sogar Hochzeitsfeiern dürfen nur bis 22 Uhr dauern. Immerhin sind mancherorts mittlerweile die Öffis gratis. 

View of desered enclosures during Pakistan Super League PSL 11 Cricket match played without spectators, as part of austerity measures to save fuel, in Lahore

Ein leeres Cricketstadion in Lahore, Pakistan.

Angriffe auf Tankstellen in Bangladesch

Auch viele andere asiatische Nachbarn, die besonders stark von Energielieferungen aus Nahost abhängig sind, müssen den Gürtel seit Ende Februar enger schnallen: In Bangladesch dürfen Büros und Banken nur noch sieben Stunden täglich geöffnet sein, Einkaufszentren schließen um 19 Uhr. Die Menschen wurden angewiesen, Strom zu sparen – etwa bei Klimaanlagen trotz bevorstehender Hitzewelle. 

Die Stimmung ist vielerorts geladen: In mehreren Städten kam es zuletzt vermehrt zu Angriffen krimineller Banden auf Tankstellen und zu Gewalt gegen Angestellte. In Thailand ist der Verkauf von Treibstoff nachts inzwischen eingeschränkt. In Sri Lanka wurden Stromtarife erhöht und Öffidienste eingeschränkt. Jeder Mittwoch ist mittlerweile ein Feiertag.

Bangladesh deploys military and police to safeguard national fuel depots

Sicherheitskräfte bewachen das Depot der Jamuna Oil Company am Stadtrand von Dhaka, Bangladesch.

Öl aus Russland

Um Preisschocks und zunehmende Energieknappheit zu entschärfen, werden vielerorts wieder Kohleanlagen hochgefahren und neue Partner gesucht. Auf den Philippinen, wo der nationale Energienotstand ausgerufen wurde, sind vergangene Woche die ersten zwei russischen Öltanker seit 2021 eingetroffen. Manila schließt inzwischen auch eine Energiekooperation mit China nicht mehr aus – trotz Territorialkonflikts im Südchinesischen Meer. Auch Vietnam und Sri Lanka sollen mit russischen Energieunternehmen verhandeln. Südkoreanische Unternehmen haben bereits 27.000 Tonnen russisches Naphtha importiert.

Auch der Ausfall von Düngemittellieferungen aus dem Nahen Osten trifft die Region ins Mark. In Vietnam, dem zweitgrößten Reisexporteur der Welt, wurde die Produktion bereits zurückgefahren, berichten die New York Times.

Experten warnen, dass die globale Ernährungssicherheit durch den Krieg im Iran massiv gefährden ist: Das World Food Programme der Vereinten Nationen schätzt, dass in diesem Jahr 45 Millionen Menschen zusätzlich unter akutem Hunger leiden könnten, wenn der Konflikt anhält. In Ländern in Afrika und Asien, die stark von Importen abhängig sind, ist das Risiko eines Anstiegs der Zahl der Hungernden am höchsten. 

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