Bisons und Biker in Sturgis

© REUTERS/KRISTINA BARKER

Politik Ausland
08/07/2020

USA: 250.000 Biker feiern – trotz Corona

Das jährliche Riesen-Biker-Event in Sturgis findet gegen Willen der Bürger statt

von Dirk Hautkapp

Sturgis. Gesprochen: Stördschiss. Einmal im Jahr, immer im August, wird das 7.000-Einwohner-Kaff im ländlichen US-Bundesstaat South Dakota für Motorrad-Freaks zum Nabel der Welt.

Wo sonst der Kojote begraben liegt, dröhnt und vibriert tagelang die Erde, wenn um die 500.000 Biker zwischen Bier, Barbecue und Benzin die Sau rauslassen. Wer schon einmal da war, weiß, dass die nach Freiheit und Abenteuer lechzende Klientel (in South Dakota besteht für Erwachsene keine Helmpflicht) mit Hygiene nicht immer genau nimmt. Ganze Hundertschaften liegen sich bei diesem Karneval auf Rädern abends in den schweißnassen Armen. Abstandhalten? Händewaschen? Mundschutz? Nicht daran zu denken.

Oder doch? Bei der an diesem Freitag startenden 80. Auflage der „Sturgis Motorcycle Rallye“ diktiert das Coronavirus indirekt das Geschehen. Gegen den Willen der Einheimischen, die aus Angst vor Infektionen zu 60 Prozent gegen die Abhaltung des weltgrößten Open-Air-Biker-Spektakels waren, hat die Stadtspitze grünes Licht gegeben. In beliebten Bars soll die Zahl der Gäste um 50 Prozent reduziert werden. Aber wer kontrolliert das schon? Auf dem Camping-Platz „Buffalo Chip“, wo traditionell Rockbands auf die Bühne gehen, glaubt Eigentümer Rod Woodruff genügend Platz zu haben.

Größtes Event der USA

Was aber keiner weiß: Wie viele Biker werden überhaupt kommen? Jerry Cole, der die Rallye organisiert, rechnet mit 250.000 Menschen verteilt über neun Tage. Damit wäre Sturgis die publikumsträchtigste Veranstaltung Amerikas in diesem Corona-Sommer. Und das genaue Gegenteil des von der Seuchenschutzbehörde CDC und Präsident Trumps Top-Virologen Anthony Fauci gebetsmühlenartig wiederholten Appells, Menschenansammlungen zu meiden. Weil es sich um unkontrollierbare Nährböden für „Superspreader“ handele, die das Virus an viele Mitmenschen weitergeben können.

South Dakotas Gouverneurin Kristi Noem hält die Risiken für vertretbar. Sie erinnerte an die millionenschwere Finanzspritze für die Wirtschaft der Region, die von dem Biker-Auflauf lebt. Mit 9.150 Infektionen und 135 Toten liege South Dakota weit hinter den US-Hotspots, sagte die Republikanerin.

Dass die Zahlen in Sturgis danach nach oben schnellen, erwartet sie nicht. Ihr Argument: Als Donald Trump am Vorabend des Unabhängigkeitstags (4. Juli) am nahe gelegenen „Mount Rushmore“ vor 7.500 Menschen eine Rede gehalten habe, sei auch kein signifikanter Anstieg registriert worden.

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