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09.11.2016

Obama: "Dieser Beruf ist ein Staffellauf"

Obama unterstrich in seiner ersten Ansprache die Bedeutung eines geordneten Übergangs.

Hillary Clinton hatte sich bereits in einer emotionalen Ansprache als faire Verliererin der Präsidentschaftswahlen erwiesen. Unmittelbar danach folgte ihr Parteikollege, der amtierende US-Präsident Barack Obama, mit seiner ersten öffentlichen Ansprache nach der Wahl.

Obama hatte die Kandidatur von Clinton mehrfach nachdrücklich unterstützt und nicht mit Kritik an Donald Trump gespart. Nach dessen überraschendem Wahlsieg hatte der Präsident jedoch schon eine Einladung an Trump überstellt, der sich am Donnerstag im Weißen Haus einfinden soll, um die Details des Übergangs zu besprechen.

Ein kleiner Lacher zum Beginn

Obama verwies am Beginn seiner Ansprache auf seine Ankündigung vom Wahltag, dass die Sonne unabhängig vom Ausgang der Wahl wieder aufgehen würde, mit dem Hinweis, dass sich diese Prognose bewahrheitet hatte.

"Es ist kein Geheimnis, dass der zukünftige Präsident und ich signifikante Unterschiede haben", erklärte Obama. "Aber das war auch vor acht Jahren bei mir und Präsident Bush so. Ich habe mein Team angewiesen, sich an Präsident Bush und seinem Team ein Beispiel zu nehmen und hart für einen erfolgreichen und friedlichen Übergang zu arbeiten. Diese friedliche Machtübergabe ist einer der Eckpfeiler unserer Demokratie."

Für seine Parteikollegin Clinton hatte er nur lobende Worte übrig. "Ich bin stolz auf Hillary Clinton, viele Amerikaner schauen zu ihr auf. Ihre Kandidatur war vorbildlich für junge Amerikanerinnen, und ich bin zuversichtlich, dass sie und Bill Clinton weiterhin hervorragende Arbeit leisten werden."

"Jeder ist traurig, wenn er eine Wahl verliert. Aber wir sind alle im selben Team", mahnte der Präsident. "Wir sind nicht vordergründig Demokraten oder Republikaner, wir sind Amerikaner, Patrioten. Das habe ich auch von Herrn Trump gehört, und das hat mich berührt. Er zeigte Respekt vor unserer Arbeit, unserer Lebensweise. Ich hoffe, er behält diesen Respekt vor unserer Lebensweise, unserer Demokratie, während des Übergangs bei."

"Die Natur der Demokratie"

Obama zeigte Verständnis dafür, dass viele junge Amerikaner nach der Wahl enttäuscht waren - bezeichnete das aber als Teil des demokratischen Lebens. "Das ist die Natur der Demokratie - sie ist manchmal hart", sagte Obama. "Sie ist nicht immer inspirierend. Aber für junge Leute, die erstmals in der Politik mitwirken und vielleicht enttäuscht sind - ihr müsst mutig bleiben. Werdet nicht zynisch. Wie Secretary Clinton sagte: Für das zu kämpfen, was richtig ist, ist es wert."

"Der Punkt ist, dass wir uns vorwärts bewegen, im guten Glauben an unsere Mitbürger. So hat sich dieses Land 240 Jahre lang vorwärts bewegt", zeigte sich Obama zuversichtlich. "Ich freue mich darauf, alles zu tun, was ich kann, damit der nächste Präsident erfolgreich sein kann."

Abschließend hatte er noch ein paar Worte zum Wesen der Präsidentschaft, die wohl auch an seinen Nachfoger gerichtet waren. "Ich sehe diesen Beruf als einen Staffellauf. Man übernimmt den Stab, man läuft sein bestes Rennen und hofft, dass man am Ende den Vorsprung ausgebaut hat. Ich werde alles tun, damit nun die Übergabe des Stabs richtig ausgeführt wird."