© APA/AFP/JIM WATSON

Interview
11/12/2019

US-Gewerkschaftsführer: „Die Wahl entscheiden die Arbeiter“

Stuart Appelbaum, führender US-Gewerkschafter, über die Strategie im Wahlkampf gegen Trump.

von Konrad Kramar

Namen will Stuart Appelbaum keine nennen, dafür sei es im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur noch zu früh. Das wichtigste Kriterium aber für den Demokraten, der gegen Donald Trump antritt, ist längst klar: „Er muss Trump schlagen können, alle anderen Fragen sind zweitrangig.“

Eine einzige Ausnahme macht der führende US-Gewerkschafter jetzt schon: „Was die Demokraten ganz sicher nicht brauchen, ist ein Milliardär wie Michael Bloomberg.“

Gast beim ÖGB

Appelbaum war zu Wochenbeginn Gast bei den Kollegen vom ÖGB in Wien, um die Lage in den USA ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen zu schildern.

Die, betont er, sehe in Zahlen oft positiver aus als im Leben der Menschen: Die Löhne seien nicht gestiegen, von den Steuersenkungen hätten vor allem die Unternehmer profitiert, es gäbe immer mehr Teilzeitjobs, von denen man nicht mehr leben könne. Trump, so Appelbaum, „hat die Arbeiter einfach angelogen. Er hat ihnen Versprechen gemacht, die sich nicht erfüllt haben“.

Simpel und destruktiv

Die Strategie des US-Präsidenten im beginnenden Wahlkampf sei ebenso simpel wie destruktiv: „Er erzählt den Arbeitern, dass sie ihn wählen sollen, weil er gegen Einwanderer kämpft – und das seien die, die ihnen die Jobs wegnehmen.“

Die Antwort des Gewerkschafters ist ebenso simpel wie gewagt: „Wir müssen den Menschen klar machen, dass das nicht stimmt.“ Denn anderes als viele europäische Gewerkschafter engagiert sich die US-Gewerkschaft auch massiv für illegale Einwanderer auf dem US-Arbeitsmarkt. „Wir besuchen Sie in den Unternehmen, laden sie ein, in unsere Zentren zu kommen, sich beraten zu lassen.“

Hilfe für Illegale

Man müsse die illegalen Arbeiter aus ihrer Grauzone herausholen, davon ist der 68-Jährige überzeugt: „Wenn wir deren Arbeitsverhältnisse verbessern, dann wird es letztendlich allen amerikanischen Arbeitern besser gehen.“

Der Kampf um die Arbeiter werde die US-Wahlen im Herbst 2020 entscheiden. Schon einmal, weil jene Bundesstaaten, die Trump beim letzten Mal den Sieg brachten, allesamt Industriestaaten in der Krise seien.

Zuhören lernen

Warum die Demokraten und Hillary Clinton dort eine Niederlage kassierten, sei leicht erklärt: „Die Menschen haben nicht mehr geglaubt, dass man ihnen zuhört und ihre Probleme ernst nimmt.“ Genau das müsse man jetzt endlich tun.

Nur weil sich die Menschen mit ihren sozialen Problemen alleine gelassen fühlten, habe sie Trump auch mit konservativen Werten für sich gewinnen können: „Waffenbesitz, Kampf gegen Abtreibung, das alles bekam auf einmal Bedeutung, weil die Menschen zutiefst verunsichert waren. Ohne diese Verunsicherung hätte Trump keine Chance gehabt“.

Ohne Arbeiter keine Demokraten

Die Demokraten aber könnten bei den Menschen nur mit sozialen Themen punkten. Um die Arbeiter zurückzugewinnen, müssten sie da überzeugend sein: „Und ohne die Arbeiter gibt es keine Demokratische Partei.“

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