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Analyse
02/03/2020

US-Demokraten: In Iowa entscheiden sich die Vorwahlen

Meist wird der Sieger der ersten Demokraten-Vorwahlen dann auch der Präsidentschaftskandidat.

von Dirk Hautkapp

Am Montag hat für die Demokraten im Bundesstaat Iowa das Präsidentschaftswahljahr 2020 begonnen – mit den Vorwahlen für die Präsidentschaftskandidatur. Ein erstes Wahlergebnis wurde für Dienstagfrüh unserer Zeit erwartet. Fragen und Antworten zu Wahlsystem, Terminen und Kandidaten:

Warum immer Iowa zuerst?

Gewohnheitsrecht seit fast 50 Jahren. Obwohl Iowa zu weiß, zu wohlhabend, zu religiös und demographisch für Amerika nicht repräsentativ ist, geht der Vorwahlzirkus hier los. Iowa hat Menetekel-Qualität: In 44 Jahren haben nur zwei Demokraten, die hier vorn lagen, am Ende nicht die Kandidatur gewonnen. Al Gore (2000), John Kerry (2004), Barack Obama (2008), Hillary Clinton (2016) landeten in Iowa auf Platz eins und wurden später auf den Parteitagen nominiert.

Wie ist die Vorwahlbeteiligung?

Für gewöhnlich mäßig. Vor vier Jahren nahmen weniger als 30 Prozent aller Wahlberechtigten an den „Primaries“ und „Caucuses“ bei Demokraten und Republikanern teil.

Warum ist der „Super-Tuesday“ am 3. März so wichtig?

Insgesamt 15 der 50 Bundesstaaten und Territorien halten am 3. März, ein Dienstag, parallel Vorwahlen ab. So viele wie an keinem anderen Datum. Auf dem Spiel stehen 1.357 Delegiertenstimmen. Ein Meilenstein auf dem Weg zur Kandidatur. Allein in den bevölkerungsreichen Bundesstaaten Texas und Kalifornien sind zusammen rund 650 Delegierte zu holen.

Was sind Super-Delegierte?

Neben den in den Vorwahlen nach komplizierten Verteilungsschlüsseln bestimmten Delegierten („pledged delegates“) gibt es auf dem Nominierungsparteitag auch sogenannte „Super-Delegierte“. Dabei handelt es sich meist um hohe Parteifunktionäre und frühere Amtsträger wie Gouverneure, die bisher gleichberechtigt über den Spitzenkandidaten mitentschieden. Aber: Sie waren ungebunden und konnten nach Gusto für einen Kandidaten stimmen. Größenordnung: cirka 750. Bei der Wahl 2016 gab es darüber heftigen Streit.
Diesmal hat die demokratische Partei die „super delegates“ entwaffnet. Schon sprachlich: Man spricht jetzt von „automatischen Delegierten“. Im ersten Wahlgang zählen nur die Stimmen der rund 4.000 gewählten Delegierten. Sie sind an das Resultat in ihrem jeweiligen Bundesstaat gebunden. Nur wenn es zu einem zweiten Wahlgang kommen sollte, können die „Super-Delegierten“ das Zünglein an der Waage sein.

Wer sind die wichtigsten Bewerber(innen)?

Am Anfang waren es 29, jetzt sind noch zwölf Kandidaten im Rennen. Echte Chancen auf die Kandidatur haben nur: Joe Biden, Bernie Sanders, Elizabeth Warren, Michael Bloomberg und Pete Buttigieg.

Wer hat die besten Chancen gegen Donald Trump?

Laut Umfragen verlässlicher Institute besäße Joe Biden mit 48:44 % zurzeit die größten Erfolgsaussichten. Aber auch andere Kandidaten wirken stärker als der Amtsinhaber. Diese Momentaufnahme ist aber wenig aussagekräftig. Sie kann sich je nach Ausgang der ersten Vorwahlen schnell ändern.

Brauchen die Republikaner keine Vorwahlen?

Wahrscheinlich nicht. Sie wollen den Präsidenten bei ihrem Parteitag im August für die Wiederwahl nominieren. Es gibt nur drei Widersacher, die Fußnoten der Geschichte bleiben werden. In vielen Bundesstaaten sind die republikanischen Vorwahlen schon abgesagt worden.

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