Joe Biden

© EPA/CJ GUNTHER

Politik Ausland
02/11/2020

US-Demokraten: Für Joe Biden geht es heute ums Ganze

Bei den Vorwahlen in New Hampshire liegen die Präsidentschaftskandidaten Sanders und Buttigieg klar vor "Uncle Joe".

von Dirk Hautkapp

Nach dem Auszählungsdesaster von Iowa sehen Amerikas Demokraten, die Donald Trump im November aus dem Weißen Haus verdrängen wollen, dem Vorwahlgang in New Hampshire am Dienstag mit schweißfeuchten Händen entgegen.

Während sich der Amtsinhaber in Umfragen stabilisiert und nach überstandenem Amtsenthebungsverfahren obenauf ist, liefern sich die demokratischen Kandidaten und Kandidatinnen ein Hauen und Stechen, das Trump in die Hände spielen könnte.

Im Neuengland-Bundesstaat liegt bereits eine "Sudden-Death"-Atmosphäre in der Luft.

Sollte Joe Biden, und danach sah es in den Umfragen aus, wieder nur auf Platz 4 landen, würde der frühere Vizepräsident, der über Monate erste Wahl schien, schon auf Krücken in den nächsten Wahlgang in Nevada humpeln.

Biden auf Wahlkampftour durch New Hampshire

Biden auf Wahlkampftour durch New Hampshire

Biden auf Wahlkampftour durch New Hampshire

Biden auf Wahlkampftour durch New Hampshire

Biden auf Wahlkampftour durch New Hampshire

Biden auf Wahlkampftour durch New Hampshire

Biden auf Wahlkampftour durch New Hampshire

Biden auf Wahlkampftour durch New Hampshire

Ob die Gehhilfen ihn dann noch nach South Carolina trügen, wo aus heutiger Sicht am 29. Februar dank großer Sympathien in der afro-amerikanischen Wählerschaft ein Sieg für "Uncle Joe" fest eingeplant ist, erscheint fraglich.

Sanders: Freilos für Trump?

Der 77-Jährige weiß, wie prekär die Lage ist. In der jüngsten TV-Debatte teilte er in alle Richtungen aus. Erst nach links. Dort saugt Senator Bernie Sanders am meisten Sauerstoff aus dem Rennen und werkelt beharrlich an seinem Favoriten-Status.

Biden hat weite Teile des Partei-Establishments hinter sich, wenn er sinngemäß sagt: Ein selbst ernannter Sozialist wie "Börnie" ist für Trump wie ein Ball auf dem Elfmeterpunkt – ohne Torwart.

Die Bewertung vernachlässigt freilich, dass niemand bei seinen Fans so viel Euphorie und Leidenschaft auslöst wie der 78-jährige Sanders. Vor allem junge Anhänger unter 25 Jahren sehen in Sanders’ sozialdemokratisch angehauchter Gesundheits-, Sozial-, Steuer- und Klimaschutzpolitik nicht das kommunistische Schreckgespenst, das Trump daraus destilliert. Sondern die Zukunft.

Sie stört nicht, dass Sanders partout nicht sagen will, welche astronomisch hohe Summe sein Schlüsselprojekt – die Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung – die Steuerzahler kosten würde. Und wie er dafür im Kongress politische Mehrheiten organisieren will.

Bernie Sanders campains on Iowa caucus night

Eingeschossen hat sich Biden auch auf den Novizen, über den alle reden: Pete Buttigieg, Ex-Bürgermeister von South Bend (Indiana). In Iowa hatte der erste offen schwul lebende Kandidat mit nur 38 Jahren einen Überraschungserfolg gelandet.

Er errang die meisten (14) der zu vergebenden 41 Delegiertenstimmen. Um Kandidat zu werden, benötigt der Afghanistan-Veteran rund 2.000.Buttigieg könnte in New Hampshire weiteren Rückenwind bekommen. Biden tut alles, um einen Strömungsabriss zu erzeugen. Der junge Kollege, sagt er altväterlich-gönnerhaft, sei gewiss ein netter, enorm redegewandter Kerl. Aber Bürgermeister einer Kleinstadt gewesen zu sein, qualifiziere beileibe nicht für den Posten des Führers der freien Welt.

Demokrat Pete Buttigieg errang einen knappen Vorsprung

Außerdem habe Buttigieg die schwarze Wählerschaft bisher völlig kalt gelassen (was stimmt). "Dieser Typ ist kein Barack Obama", versucht Biden die Grenze zwischen Charisma und Hype zu ziehen. Was sich bei nur 12 Prozent Zustimmung in Umfragen für ihn selbst etwas keck anhört.

Buttigieg kommt mit 21 Prozent hinter Sanders, der mit 28 Prozent in New Hampshire führt. Sollte Sanders hier siegen, werden im Zentrum der Demokratischen Partei die Widerstände wachsen.

Konkret wird dort bereits heute hinter vorgehaltener Hand darüber sinniert, wie man Sanders bis zum Nominierungsparteitag im Juli den Weg verstellen könnte.

Dahinter steht die Überzeugung, dass der 78-Jährige, der in Wahrheit parteilos ist und seit Jahrzehnten im Senat als Beiboot mit den Demokraten segelt, nur für eine radikale Minderheit im demokratischen Wählerspektrum spreche und Trumps Wiederwahl im Falle seiner Kandidatur besiegelt wäre.

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