Bevölkerung im Gazastreifen von Hunger bedroht + Noch 800.000 Menschen im Norden

Bevölkerung im Gazastreifen von Hunger bedroht + Noch 800.000 Menschen im Norden
Aufgrund der Treibstoffknappheit kann die Bevölkerung nicht mit Hilfslieferungen versorgt werden.

Hilfslieferungen der Vereinten Nationen in den Gazastreifen sind am Freitag erneut ausgesetzt worden. Als Grund wurden Treibstoffknappheit und der Zusammenbruch der Kommunikation genannt. Die Direktorin der UNO-Welternährungsprogramm (WFP), Cindy McCain, erklärte, eine Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser gebe es in Gaza praktisch nicht. Die Bevölkerung sei von Hunger bedroht. Die WHO zeigte sich unterdessen wegen der Ausbreitung von Krankheiten alarmiert.

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Nur ein Bruchteil dessen, was benötigt werde, gelange über die Grenzen in das Gebiet, so die WFP-Direktorin. Da der Winter schnell näher rücke, die Notunterkünfte unsicher und überfüllt seien und es an sauberem Wasser mangele, sei die Zivilbevölkerung unmittelbar von Hunger bedroht.

Angst um Ausbreitung von Krankheiten

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zeigte sich unterdessen alarmiert wegen der Ausbreitung von Krankheiten im Gazastreifen. Man sei deswegen "extrem besorgt“, sagt der WHO-Gesandte für die Palästinensischen Gebiete, Richard Peeperkorn. In dem dicht besiedelten Küstengebiet seien mehr als 70.000 Fälle von akuten Atemwegsinfektionen und über 44.000 Fälle von Durchfall registriert worden seien. Die Zahlen seien deutlich höher als erwartet.

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Noch 800.000 Menschen in Nordgaza

In nördlichen Teil des Gazastreifens sollen sich fast sechs Wochen nach Kriegsbeginn immer noch rund 800.000 Menschen aufhalten. Das berichtete das UNO-Nothilfebüro OCHA unter Berufung auf die palästinensische Statistikbehörde (PCBS) im Westjordanland am Freitag. Auf welcher Erhebung diese Schätzung beruhte, blieb teils unklar. Unterdessen warnte die Hilfsorganisation CARE vor den psychosozialen Folgen des Krieges.

Die palästinensische Statistikbehörde sprach davon, sich bei der Schätzung unter anderem auf Daten der Telekommunikationsunternehmen zu stützen. Unabhängig überprüfen ließen sich die Informationen nicht. Die Angaben würden bedeuten, dass nur ein Drittel der Bevölkerung, die dort vor dem 7. Oktober lebte, das Gebiet verlassen hat, also rund 400.000 Menschen.

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Die CARE-Länderdirektorin für Gaza und das Westjordanland, Hiba Tibi, warnte unterdessen in einer Aussendung vor den psychosozialen Folgen des Krieges. "Für die Überlebenden bleiben die seelischen Narben ein Leben lang“, so Tibi. "Wir sind sehr besorgt um die Kinder, denen nun eine ungewisse und äußerst schwierige Zukunft bevorsteht.“ Alters- und geschlechtsspezifische psychosoziale Unterstützung müsse dringend und langfristig bereitgestellt werden.

Mangel an sanitären Einrichtungen

Die humanitäre Situation im Gazastreifen verschlechtere sich von Tag zu Tag, so die Hilfsorganisation. Auch die Hygieneversorgung sei problematisch. In den Unterkünften für Binnenvertriebene im Süden des Gazastreifens teilen sich im Durchschnitt 160 Menschen eine einzige Toilette, auf 700 Menschen komme nur eine Duscheinheit.

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