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Politik Ausland
06/19/2020

UNHCR-Bericht zu Flüchtlingen: Situation wird immer schlimmer werden

79,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Laut Experten wird der Andrang Richtung EU steigen.

von Karoline Krause-Sandner, Evelyn Peternel

Ein Prozent der Menschheit war 2019 auf der Flucht, insgesamt knapp 79,5 Millionen Menschen. Und auch, wenn viele glauben, dass alle nach Europa wollen: Ein großer Teil, nämlich 73 Prozent, bleibt in der Region, viele sogar im Herkunftsland, belegt der  neue UNHCR-Bericht.

Einen großen Teil der Last tragen demnach Gesellschaften, die selbst wenig haben: 85 Prozent  kommen in Entwicklungsländern unter. Die Türkei ist mit 3,6 Millionen Flüchtlingen größtes „Gastland“, gefolgt von Kolumbien (1,8 Millionen), Pakistan und Uganda mit je 1,4 Millionen. Deutschland hat 1,1 Millionen aufgenommen. 68 Prozent der Menschen kommen laut UNHCR aus nur fünf Staaten: 6,6 Millionen aus Syrien, 3,7 Millionen aus Venezuela, 2,7 Millionen aus Afghanistan, 2,2 Millionen aus dem Südsudan, eine Million aus Myanmar.

Weniger Asylanträge

In Österreich ist die Zahl der Asylanträge übrigens in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen –  2019 waren es 12.886 Anträge. Der langjährige Höhepunkt war das Jahr 2015 mit 90.000 Anträgen.

Das Coronavirus hat die Fluchtbewegungen nach Europa kurzfristig fast unterbrochen; jetzt ist die Zahl gestiegen. Im Mai gab es auf den Hauptmigrationsrouten  knapp 4.300 illegale Grenzübertritte, fast dreimal so viele wie im Vormonat. Die Situation in der Ägäis  ist dennoch prekär. Inzwischen werden Ankunftsländer wie Griechenland zwar finanziell und personell durch Frontex-Beamte unterstützt, mit der Unterbringung müssen sie aber allein klarkommen. In Moria, dem größten Lager auf Lesbos, sind rund 16.000 Menschen auf engstem Raum „eingepfercht“, wie die dort lebende Journalistin Franziska Grillmeier sagt – für die dortigen Asylsuchenden gilt seit 13 Wochen eine Ausgangssperre. Und vor den Inseln gebe  es vermehrt illegale Pushbacks, sagt sie – Boote würden in Richtung Türkei zurückgedrängt.

Das bestätigt Migrationsexperte Gerald Knaus in einem Caritas-Pressegespräch: „Die Situation wird noch viel schlimmer werden“, denn der EU/Türkei-Deal sei quasi ausgesetzt. „Wir werden ein Pingpongspiel mit Migranten und Flüchtlingen sehen“. Er hofft ebenso wie Caritas-Chef Klaus Schwertner, dass sich die deutsche EU-Ratspräsidentschaft ab Juli damit beschäftigt. Innenminister Seehofer hat angekündigt, die Reform des EU-Asylwesens angehen zu wollen.
 

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