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Analyse
04/11/2020

Umfragekaiser Söder: Vom Ungeliebten zum Kanzlerkandidaten?

CSU-Chef Markus Söder steigt in der Wählergunst: vom einst unpopulärsten Ministerpräsidenten zum möglichen Spitzenkandidaten der Union. Wie konnte das passieren?

von Sandra Lumetsberger

Der Gegensatz könnte nicht härter sein: Vom einst unbeliebtesten Ministerpräsidenten Deutschlands  zu einem der beliebtesten Politikern des Landes. Laut einer aktuellen Erhebung hat er sogar mit Abstand den größten Rückhalt in der Bevölkerung, wenn es um die Frage des Kanzlerkandidaten in der Union geht.

Bis vor einigen Jahren hätte man das wohl für einen Aprilscherz gehalten: Markus Söder, der ewige Gegenspieler von Horst Seehofer, der mit ihm jahrelang um die Macht innerhalb der CSU ritterte - und dabei wenig schmeichelhafte Zuschreibungen erhielt (ehrgeizig, rücksichtlos, machtbesessen). Nicht zu vergessen, dass die Vorsteher aus Bayern gerne damit kokettieren, dass an vorderster Stelle ihr Bundesland kommt und dann lange nichts. Wie diese Mentalität im restlichen Deutschland ankommt, lässt sich erahnen.

Weiter Vorsprung auf Merz

Und umso mehr überrascht es, wenn sich nun in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur 27 Prozent der Befragten Söder als Kandidat fürs Kanzleramt wünschen. Und weniger den früheren Bundestags-Fraktionschef Friedrich Merz (12 Prozent) oder den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (8 Prozent). Gesundheitsminister Jens Spahn kommt auf 7 Prozent und der Außenpolitiker Norbert Röttgen nur noch auf 3 Prozent.

Dass jene wie Merz oder Röttgen, die kein bzw. ein wenig öffentlichkeitswirksames politisches Mandat inne haben, in der Krise kaum punkten können, ist klar. Warum der bayerische Ministerpräsident aber seine Kollegen von der Schwesterpartei, Laschet und Spahn, hinter sich lässt, verwundert. Oder auch nicht.

Tatendrang und gutes Marketing

Markus Söder, der sich seit der Landtagswahl 2018 und dem Aufstieg zum Ministerpräsidenten, als fürsorglicher Landesvater neu erfunden hat, sticht seit Beginn der Corona-Krise als deren oberster Manager hervor. Er zeigt Tatendrang und weiß diesen gut zu verkaufen. Davon profitiert auch seine Partei, die im aktuellen Bayern-Trend 13 Prozentpunkte zulegt und auf 49 Prozent kommt. So ein Ergebnis gab es zuletzt 2014.

Söder bzw. seine CSU erleben dabei etwas, was politische Beobachter gerade vielen regierenden Parteien in Bund oder Ländern attestieren: In der Krise schart sich das Volk um die Regierung, weil man sich dort sicher fühlt.

Andere Ministerpräsidenten sehen alt aus

Dass Bayerns Ministerpräsident in dieser Ausnahmesituation omnipräsent ist, kommt ihm zu gute. Was aber auch damit zu tun hat, dass er turnusgemäß in diesem Jahr die Konferenz der Ministerpräsidenten leitet - und somit bei allen Zusammenkünften als Häuptling auftritt. Abgesehen davon, profitiert er von seiner Präsenz in sozialen Medien - von Facebook bis Instagram.

Und Söder, selbst mal Journalisten-Anwärter, glaubt zu wissen, was man der Welt präsentieren kann: Ein Foto aus Jugendtagen mit Poster von seinem Idol Franz-Josef Strauß oder einen Händedruck mit dem Papst. Zuletzt wurden die Beiträge ernsthafter: Der Ministerpräsident als Kontrolleur der Lagerbestände von Lebensmittel-Logistikhallen oder wie er gerade Schutzmasken in Empfang nimmt.

Darüber hinaus verordnete er seinem Land als erster Ministerpräsident restriktive Regeln und Ausgangsbeschränkungen, kündigte gleichzeitig milliardenschwere Hilfsmaßnahmen an - im wirtschaftlich starken Bayern kann er sich das leisten.

Was bei Wählern wohl für Vertrauen sorgt, ärgert indessen so manchen Amtskollegen. Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, soll ihn in einer gemeinsamen Länderkonferenz gerüffelt haben. Tenor: Man wollte sich gemeinsam bei Maßnahmen abstimmen. Mit seinem Vorpreschen lässt Söder andere alt aussehen.

"Andere können beruhigt sein"

Auch, wenn das so niemand sagen würde, geht es dabei um eine andere Frage: Wer übernimmt die Kanzlerkandidatur bei CDU/CSU? Der 53-Jährige hat mehrfach erklärt, dass er die Kandidatur nicht anstrebe. "Die Frage, wie es im nächsten Jahr weitergeht, spielt überhaupt keine Rolle für mich." Auch im Spiegel-Interview Ende März wies er jegliches Interesse zurück: "Ich bin und bleibe in Bayern, da können andere beruhigt sein."

Ein Mitspracherecht hat er jedenfalls früh für sich und seine Partei reklamiert. Und bis es so weit ist - der Parteitag wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, ebenso die Wahl um den CDU-Parteivorsitz - wird sich der Mann in München zurücklehnen und seinen Triumph genießen. Ein Bayer, den man in Berlin den roten Teppich ausrollen würde, das kommt selten vor.

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