War eine ukrainische Rakete verantwortlich für 15 tote Zivilisten?

Aftermath of a Russian military strike in Kostiantynivka
Die New York Times vermutet eine fehlgeleitete ukrainische Rakete hinter einem Angriff auf einen ukrainischen Markt. Kiew widerspricht.

Die Meldung sorgte für Aufsehen: Am 6. September 2023 schlug eine Rakete auf einem Markt in Kostjantiniwka in der Ostukraine ein, tötete mindestens fünfzehn Personen, mehr als dreißig wurden verletzt. 

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Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sprach von einem russischen Angriff, nannte diesen eine "Unverschämtheit des Bösen": "Ein normaler Markt. Geschäfte. Eine Apotheke. Menschen, die nichts Falsches getan haben", schrieb er auf X, vormals Twitter, und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Ein Bericht der New York Times wirft nun Zweifel an der russischen Urheberschaft der Rakete auf: Raketenfragmente, Satellitenbilder, Zeugenberichte und Social-Media-Beiträge sollen darauf hindeuten, dass es sich um eine fehlerhafte ukrainische Luftverteidigungsrakete gehandelt haben dürfte, die von einem Buk-Abschusssystem abgefeuert worden war. 

Ein entsprechendes ukrainisches Boden-Luft-Lenkwaffensystem sei außerhalb der Stadt in der Richtung des Beschusses stationiert gewesen. "Der Angriff war wohl ein tragischer Unfall", schreibt die Times.

War eine ukrainische Rakete verantwortlich für 15 tote Zivilisten?

Beim Einschlag einer Rakete auf den zentralen Markt der ukrainisch kontrollierten Stadt sind mehrere Menschen ums Leben gekommen, Medien schreiben von 15 bis 16.

Die Times beruft sich unter anderem auf eine lokale Telegram-Gruppe, in der wenige Minuten vor dem Einschlag auf dem Markt über ukrainisches Artilleriefeuer aus der Stadt berichtet wurde.

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Videoaufnahmen von Überwachungskameras sollen zeigen, dass die Rakete aus Nordwesten, aus Richtung des von der Ukraine kontrollierten Territoriums, gekommen ist und nicht aus dem Osten von den russischen Stellungen. Krater und Schäden, die die Rakete hinterließ, sollen ebenfalls für die Richtung sprechen.

Kiew widerspricht, Moskau freut sich

In der Ukraine findet diese These kaum Gehör: Der ukrainische Geheimdienst hält an der These eines russischen Kriegsverbrechens fest. So wird behauptet, dass die gefundenen Trümmerteile von einer S-300-Rakete aus einem russischen Luftverteidigungssystem stammten. Das unabhängige Portal Ukrainska Prawda zitierte eine anonyme Quelle zudem mit der Aussage, die Luftwaffe habe am 6. September kein Buk-System eingesetzt.

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In Russland wiederum wurde der Artikel der Times sofort aufgegriffen und genutzt, um russische Kriegsverbrechen bis Butscha in Zweifel zu ziehen.

Sollte der Einschlag in Kostjantiniwka wirklich Folge eines Unfalls sein, wäre er nicht der erste: Im vergangenen November tötete eine fehlgeleitete ukrainische S-300-Abwehrrakete in Polen zwei Personen.

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