Chaos und Gewalt in Kiew – am Mittwoch startete die Sonderpolizei eine Offensive gegen die Protestierenden

© Reuters/GLEB GARANICH

Ukraine

Schwere Eskalation in Kiew

Mit aller Härte wollen die Behörden den Protest in Kiew beenden – sieben Tote.

von Stefan Schocher

01/22/2014, 10:36 PM

Drei Tage waren Demonstranten und Sonderpolizei in der Gruschewskogo-Straße einander gegenübergestanden. Ein Stellungskrieg mit Molotowcocktails und Steinen – der binnen weniger Stunden am Mittwoch sieben Tote forderte. Die Todesursache in zumindest fünf Fällen: Schussverletzungen.

Die Opposition sagt, auf umliegenden Dächern postierte Scharfschützen hätten auf die Demonstranten gefeuert. Bereits zuvor hatten Sanitäter im Protestcamp von gezielten Schüssen berichtet – auch von gezielten Schüssen auf Sanitäter, Rettungsfahrzeuge und Journalisten. Zudem wurden in einem Wald die Leichen zweier Aktivisten gefunden – mit Folterspuren. Das heizte die angespannte Stimmung noch weiter an.

Premier Azarow machte die Protestbewegung für die Erschossenen verantwortlich und nannte die Demonstranten „Terroristen“. Präsident Janukowitsch versprach eine Untersuchung der Todesfälle.

Während der Präsident lange Gespräche mit der Opposition führte, rief die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko Ukrainer zum Aufstand und die internationale Gemeinschaft zu deren Unterstützung auf. Nach den Meldungen über Tote tobte die Oppositionsführerin.

Auch die anderen Führungsfiguren der Opposition riefen zum Widerstand auf, sollte die Regierung nicht bis heute, Donnerstag, ihren Forderungen entgegenkommen.

Seit den frühen Morgenstunden hatten Einheiten der Sonderpolizei versucht, die Barrikaden der Demonstranten neben dem Dynamo-Kiew-Stadion an der Straße zum Parlament zu räumen. Zunächst vergeblich. Am Vormittag drangen dann Hunderte mit Schilden, Schlagstöcken, Molotowcocktails und Schrotgewehren bewaffnete Polizisten auf den nahen Europaplatz vor, prügelten dabei alles nieder, was zu greifen war, und zogen sich dann wieder zurück. Die aus ausgebrannten Bussen und Autos errichteten Barrikaden wurden mit Panzerfahrzeugen beseitigt.

Um den nur wenige Hundert Meter entfernten Unabhängigkeitsplatz Maidan Nesaleshnosti, dem Epizentrum der Protestbewegung, scharten sich starke Polizeieinheiten. Auf dem Platz riefen Redner die Männer auf, die Ruhe zu bewahren und zu bleiben – Frauen und Jugendliche hingegen sollten heimzugehen. Noch in der Nacht auf Donnerstag stand ein Großeinsatz des Platzes im Raum, der sich laufend mit immer mehr Demonstranten füllte.

Waffenverkäufe

Seit zwei Monaten ist der Maidan besetzt. Zunehmend versinkt die gesamte Stadt in Chaos. Während Polizei- und Armee-Einheiten vor allem im Westen des Landes Unmut über Verlegungen nach Kiew äußern, zeigt sich die Polizei in den Außenbezirken Kiews nicht mehr auf den Straßen. Dort verbreiten bewaffnete Banden koordinierten Terror. In zahlreichen Regionen wurden von Bürgern regionale Selbstverteidigungsgruppen aufgestellt, die ebenfalls bewaffnet Jagd auf diese Banden machen.

Die ukrainische Vereinigung der Waffenbesitzer warnte angesichts der Brutalität der Polizei und des anscheinend koordinierten Einsatzes von Schlägern vor einem Blutbad. In Kiew sind 400.000 Waffenbesitzer registriert, die Dunkelziffer ist hoch, ukrainische Medien meldeten auch einen sprunghaften Anstieg an Käufen am Schwarzmarkt.

Das Vorgehen der Behörden hat Auswirkungen auf die Außenbeziehungen der Ukraine. Die US-Botschaft etwa annullierte die Visa mehrerer Behördenvertreter.

Bilder: Straßenschlachten eskalieren

Demo und Aufstand

Präsident Janukowitsch weigert sich Ende November, das Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen. Ein Protestcamp auf dem Maidan wird errichtet. Forderung: Die Annäherung an die EU.

Bei Protesten am 1. Dezember schreitet die Sondereinheit Berkut hart ein. Mehrere Menschen werden verletzt, der Maidan-Platz wird verbarrikadiert. Opposition als auch die Protestbewegung fordern nun den Rücktritt Janukowitschs und Neuwahlen.

Demonstrant erklärt die Revolution

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