Die 7-jährige Bana al-Abed.

© APA/AFP/THAER MOHAMMED

Syrien-Krieg
12/19/2016

Twitter-Mädchen Bana aus Aleppo ist in Sicherheit

Tausende Menschen konnten die syrische Stadt in den vergangenen Stunden verlassen - darunter auch die siebenjährige Bana, die aus ihrer zerbombten Heimat getwittert hatte.

Die Evakuierung in Ost-Aleppo kommt offenbar wieder in Gang. Nach einer Unterbrechung der Evakuierungen aus dem Osten von Aleppo sind am Montag in der Früh erneut mehr als tausend Menschen aus den Rebellengebieten der Stadt gebracht worden. Rund 20 Busse mit Bewohnern aus Aleppo seien am Sammelpunkt westlich der Stadt eingetroffen, sagte Ahmad al-Dbis, Chef einer Gruppe Mediziner und Freiwilliger, die dort die Evakuierungen ko

ordiniert.

"Hier sind etwa 1200 bis 1300 Menschen." Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte dagegen berichtete, dass seit Mitternacht 65 Busse rund 3.500 Menschen aus Aleppo gebracht haben. Demnach würden sich noch rund 30.000 Menschen in dem Rebellengebiet aufhalten.

Unter den Evakuierten war auch die siebenjährige Bana al-Abed. Mehr als 320.000 Menschen waren dem Mädchen zuletzt auf Twitter gefolgt.

Sie hatte das Tool erst seit einigen Monaten gemeinsam mit ihrer Mutter benutzt, um aus dem umkämpften Osten der Stadt zu berichten. Jetzt ist sie offenbar in Sicherheit. Aktivisten verbreiteten am Montag über Twitter mehrere Bilder, die Bana im Umland der nordsyrischen Stadt zeigen.

Bana sei mit ihrer Familie aus der umkämpften Stadt gebracht worden, berichtete Zaher Sahloul von der Syrian American Medical Society (SAMS) in einer Kurznachricht. Die Organisation unterstützt Krankenhäuser in Rebellengebieten. Die Evakuierung von Ost-Aleppo war am Sonntagabend nach einem mehrtägigen Stopp wieder aufgenommen worden.

Familie flüchtete in anderes Stadtviertel

Die Siebenjährige aus Ost-Aleppo, die in den vergangenen Wochen durch eine Abfolge von ergreifenden Twitter-Nachrichten für Furore sorgte, war vor zwei Wochen angesichts des Vorrückens der syrischen Armee mit ihrer Familie in ein anderes Stadtviertel geflüchtet.

"Die Armee kam wirklich nahe an unser Viertel heran", sagte ihr Vater Ghassan al-Abed am Dienstag der NachrichtenagenturAFP. "Unser Haus wurde bei einem Bombenangriff beschädigt." Nach der Flucht in ein anderes Stadtviertel gehe es der Familie "gut".

"Ich will aus diesem schrecklichen Traum aufwachen, in dem ich von morgens bis abends lebe"

In den Tweets hatte Bana immer wieder über Bombardierungen und die Leiden im täglichen Leben berichtet. "Ich will aus diesem schrecklichen Traum aufwachen, in dem ich von morgens bis abends lebe", schrieb die Siebenjährige Ende September.

Die Tweets machten auch Prominente auf die Kleine aufmerksam. Die Erfolgsautorin Joanne K. Rowling ließ ihr die Harry-Potter-Serie als E-Book zukommen, nachdem sie gelesen hatte, dass Bana Englisch lernt und die Bücher gerne lesen würde.

Assad: "Propagandaspiel"

Der syrische Präsident Bashar al-Assad zeigte wenig Verständnis für die Geschichte von Bana. Als er im Oktober vom dänischen Fernsehsender TV2 darauf angesprochen wurde, sagte Assad, die Nachrichten von Bana würden "von Terroristen und ihren Unterstützern" verbreitet. Es handle sich um ein "Propagandaspiel", fügte Assad hinzu. Seine Regierung müsse sich nicht um "Medienspiele" kümmern, sondern um die "Realität".

Ihre Mutter verbreitet auch Bilder und Videos des Mädchens. Sie zeigen ein Kind, das trotz des Horrors noch lachen kann. "Wir werden für immer zusammen leben", sagt sie in die Kamera und herzt dann ihre beiden jüngeren Brüder.
Kritische Stimmen werfen der Mutter vor, sie setze ihre Tochter für politische Zwecke ein. "Dieses Kind, ihr kleines Herz sei gesegnet, wer immer sie auch ist, wird manipuliert und in einen großen Betrug der sozialen Medien verwandelt", twitterte die britisch-libanesische Journalistin Hala Jaber. "Genug Lügen."

Doch Aktivisten aus Aleppo bestätigen, dass Bana und Fatima wirklich in den Rebellengebieten leben. Auch der investigative Internetjournalist Eliot Higgins von der Plattform Bellingcat hat nach einer Prüfung vieler Fotos und Videos aus den Tweets keine Zweifel an der Herkunft der Botschaften: "Wir haben den genauen Ort gefunden, wo sie aufgenommen wurden. Alle stammen aus einem bestimmten Gebiet in Ost-Aleppo, das von Rebellen gehalten wurde."

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare