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Politik Ausland
04/01/2020

Tschechien: "Kluge Quarantäne" statt strenger Ausgangssperre

Erster Test in Südmähren: In der Region rund um Brünn werden die Kontaktpersonen von Infizierten aufgespürt und getestet.

von Konrad Kramar

In Österreich wird ihr Einsatz noch diskutiert, im benachbarten Tschechien schreitet man seit Wochenbeginn zur Tat: Mit Hilfe der digitalen Überwachung will man schnell und gezielt Corona-Infizierte ausforschen und isolieren und so die Ausbreitung der Epidemie eindämmen. Erstes Testgebiet für den Einsatz der sogenannten „klugen Quarantäne“ ist die Region Südmähren mit der Hauptstadt Brünn.

Fünf Tage zurück

Ausgangspunkt der digitalen Überwachung sind Handy und Bankomatkarte eines Infizierten. Mit dessen persönlicher Einwilligung werden die Daten von beiden erfasst. Im Fall des Mobiltelefons überprüft man, in welche Funkmasten es sich eingeklinkt hat und kann so ein Bewegungsmuster des Besitzers erstellen. Ergänzt wird das durch die Daten von dessen Bankomatkarte: Wo und wann hat er in den untersuchten fünf Tagen damit bezahlt oder Geld abgehoben.

"Gelbe Personen"

Mit diesen Daten kontaktiert die Gesundheitsbehörde den Infizierten persönlich und bespricht mit ihm genau die Tage und alle möglichen Kontakte mit anderen Personen. Diese Personen werden kontaktiert und gebeten, wenn sie nicht ohnehin zu Hause sind, sich nach Möglichkeit nicht mehr aus dem Haus zu begeben. Sie werden von jetzt an als „gelbe Personen klassifiziert“, wie Roman Prymula, stellvertretender Gesundheitsminister und Leiter des Corona-Krisenstabes, erläutert: „Innerhalb weniger Stunden kommt dann ein Einsatzteam, das ihn abholt und in ein medizinisches Zentrum bringt.“ Das ist in den meisten Fällen ein Militärspital in der Region, auf deren Gelände man eigene Zelte aufgestellt hat. Dort können die betroffenen Personen unter bestmöglicher Abschirmung auf Corona getestet werden. Auch die Abhol-Teams stellt das Militär. Wenn die betroffene Person ein Auto hat und alleine fahren kann, darf sie sich auch in Eigenregie in das Militärspital begeben.

„In drei Tagen getestet“

Man habe sich ein sehr strenges Zeitlimit gesetzt, erläutert Prymula, der sich seit Tagen nur diesem Projekt gewidmet hat, die Strategie: „In drei Tagen muss jeder dieser Kontaktpersonen getestet sein.“ Ist der Test negativ wird derjenig von gelb auf grün gestuft und kann sich wieder völlig frei bewegen. Ist er infiziert, muss er umgehend in Quarantäne.

300 Soldaten und fast 100 Techniker sind fürs erste im Einsatz. Schon in einer Woche wolle man eine erste Auswertung der Ergebnisse aus der Region vornehmen, erklärt Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babis.

Bei Erfolg wird die Strategie in ganz Tschechien eingesetzt. Das Ziel des Ganzen macht Projektleiter Prymula deutlich: „Die kluge Quarantäne soll dazu führen, dass wir möglichst rasch die Ausbreitung der Epidemie kontrollieren und so die flächendeckenden Maßnahmen und Ausgangssperren nicht mehr brauchen.“

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