Sind einander nicht grün: Paul Ryan (l.) und Donald Trump.

© APA/AFP/DESK

Konflikt eskaliert
10/12/2016

Trumps Strategie der verbrannten Erde

Der Präsidentschaftskandidat attackiert nun auch seine eigenen Parteifreunde.

von Ingrid Steiner-Gashi

"Es ist so schön, dass ich jetzt von den Ketten befreit bin und für Amerika kämpfen kann, wie ich will." Was sich wie eine Jubelmeldung Donald Trumps liest, ist in Wirklichkeit eine Kriegserklärung – gegen die eigene Partei. Genauer gesagt gegen die Spitze der Republikaner und insgesamt 50 Parteigranden, die dem höchst umstrittenen Präsidentschaftskandidaten hochoffiziell den Rücken gekehrt haben.

Twitter-Tirade

Mit einer wahren Twitter-Tirade feuert der leicht erzürnbare Trump seither auf seine parteiinternen Kritiker: Senator John McCain , der sei nur "sehr verlogen", schreibt Trump. Und Paul Ryan wiederum, Chef des republikanisch dominierten Repräsentantenhauses und damit der wohl mächtigste Republikaner im Land, agiere "schwach und als ein ineffizienter Führer". Allesamt "treulos", so das Fazit Trumps.

Die Samthandschuhe sind ausgezogen. Knapp vier Wochen vor den Wahlen steuert die Grand Old Party auf einen offenen Grabenkampf zu: Trump und seine wütende Wählerbasis gegen die vom rabiaten Auftreten des Milliardärs beschämten republikanischen Wertkonservativen. An der Parteispitze hat sich bereits die Überzeugung breitgemacht: Besonders nach dem Auftauchen von Trumps jüngstem Skandalvideo seien die Präsidentenwahlen mit ihm nicht mehr zu gewinnen. In den landesweiten Umfragen ist Hillary Clinton ihrem Kontrahenten zuletzt bereits um mindestens sieben Prozentpunkte davongezogen.

Ryan gab also indirekt die Devise aus: Von nun an möge jeder Republikaner, der am 8. November in den Senat, das Repräsentantenhaus oder sonst in irgendein Amt gewählt werden wolle, für sich selbst kämpfen und nicht auf einen positiven Trump-Schub hoffen.

Wüste Attacken

Was der 70-jährige Haudrauf sofort als ein Fanal deutete – für den Beginn einer neuen Angriffslinie. Von nun an wolle Trump, so kündigte es einer seiner Berater an, erst gar nicht mehr versuchen, bisher unentschlossene Wähle für sich zu gewinnen. Stattdessen gelte: Voller Angriff– mit dem Ziel, die eigene Basis mit wüsten Attacken auf seine Kontrahentin Hillary Clinton noch stärker zu motivieren. Und außerdem: Indem Trump permanent an die Sexaffären Bill Clintons und Hillarys eMail-Eskapaden erinnern will, sollen möglichst viele US-Bürger mit Vorliebe zu den Demokraten derart angewidert werden, dass sie erst gar nicht zur Wahl gehen.

Die Möglichkeit, dass diese Wahlkampf-Strategie der verbrannten Erde auch nach hinten losgehen und Trump den Sieg kosten könnte, sieht der Milliardär nicht. Im Gegenteil, führte er zuletzt in einem Interview mit dem TV-Sender Fox News aus: "Ich denke, ich war bisher sehr nett."

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