Demonstrierende Staatsbedienstete

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Politik Ausland
01/11/2019

"Shutdown" in den USA: Unbezahlte Staatsdiener verkaufen Besitz

Am Samstag erreicht der Regierungsstillstand eine Rekordlänge - für viele eine existenzielle Bedrohung.

von Irene Thierjung

Donald Trump bleibt stur. Wenn er keine Mauer an der Grenze zu Mexiko bekommt, will der US-Präsident den Stillstand in Teilen der Regierung (Shutdown) aufrecht erhalten. Sollte dieser auch nach dem heutigen Freitag bestehen, wäre er der längste in der US-Geschichte - was bedeutet, dass 800.000 Staatsbedienstete weiter ohne Einkommen sind.

Für viele dieser Menschen, die derzeit ohne Bezahlung arbeiten oder in Zwangsurlaub geschickt wurden, ist das eine existenzielle Bedrohung, auch für Ellen Stringer. Ihr Mann sei ein Bundesbediensteter, schreibt die Amerikanerin auf Twitter. "Wir hängen von seinem Einkommen und Förderungen ab, weil ich mich um unseren behinderten Sohn kümmern muss."

Dazu kommt, dass viele US-Bürger quasi von der Hand in den Mund leben müssen. Laut Studien kann jeder vierte in einem finanziellen Notfall nicht einmal 400 Dollar aufbringen, ohne sich zu verschulden oder etwas verkaufen zu müssen. 

"Ein Schatz für mich"

Und genau das tun immer mehr vom Shutdown betroffene Staatsdiener. Auf Kleinanzeigen-Plattformen wie Craigslist oder via Social Media bieten sie Teile ihrer Habe an, um ihre nächste Miete, die nächste Kreditrate oder einfach den nächsten Supermarkt-Einkauf bezahlen zu können.

Dabei trennen sie sich, wie etwa Anna Cory, auch von liebgewordenen Sammlerstücken. "Als Bibliothekarin ist das etwas, das ich wertschätze, das ein Schatz für mich ist", beschreibt die 39-Jährige gegenüber der Washington Post die antiquarischen Bücher aus dem 19. Jahrhundert, die sie auf Facebook anbietet.

Andere Betroffene verscherbeln teure Star-Wars-Devotionalien, Bibeln, Kinder-Schaukelstühle.

Genau das hat diese Woche die US-Küstenwache offiziell ihren derzeit unbezahlten Mitarbeitern nahegelegt - und einen Shitstorm geerntet. Die Angestellten sollten doch private Flohmärkte organisieren, sogenannte Garagenverkäufe, Hunde ausführen oder babysitten, hieß es in einem Ratgeber, der später offline genommen wurde. "Babysitten - bin ich zwölf?", kommentierte eine erboste Mitarbeiterin den Tipp.

Nationalparks ohne Aufsicht

Der Shutdown herrscht nun schon seit 22. Dezember, da sich das Parlament nicht auf einen neuen Staatshaushalt einigen konnte. Knackpunkt war Trumps Forderung nach gut fünf Millliarden Dollar für den Mauerbau, die die Demokraten nicht freigeben wollen - womit auch im Budgetentwurf vorgesehene Finanzmittel für viele Bundesbehörden blockiert bleiben.

Eindrucksvoll zeigt sich das u. a. auch in vielen Nationalparks. Die dortigen Ranger müssen zu Hause bleiben, Müllberge türmen sich auf, wilde Campingplätze entstehen.